Eine Schraubensicherung ist eine Methode, um Schrauben vor dem eigenständigen Lösen zu schützen. Besonders bei Fahrrädern, die oft Vibrationen und Bewegungen ausgesetzt sind, ist das essenziell. Ob durch regelmäßiges Fahren auf unebenen Wegen, Stöße oder Temperaturschwankungen, all diese Faktoren können dazu führen, dass Schrauben sich langsam lockern. Die Schraubensicherung sorgt dafür, dass Verbindungen zuverlässig bleiben und du dich ohne Sorgen auf deinen nächsten Ride begeben kannst.
Wichtig: Schraubensicherungen sind kein Ersatz für das korrekte Anzugsmoment! Schrauben müssen mit dem richtigen Drehmoment angezogen werden, die Sicherung verhindert nur das spätere Lösen durch Vibrationen.
Es gibt drei Hauptmethoden, Schrauben optimal zu sichern. Hier ein Überblick:
Zu den mechanischen Sicherungen zählen Bauteile wie Sicherungsringe, Federringe, Zahnscheiben oder Sicherungsbleche. Diese verhindern, dass sich die Schraube durch Vibrationen lockert.
Federringe (Split Lock Washer):
Zahnscheiben (Toothed Lock Washer):
Nord-Lock Scheiben (Keilsicherungsscheiben):
Sicherungsbleche:
Vorteile mechanisch:
Nachteile mechanisch:
Flüssige Schraubensicherungen, auch als Schraubenkleber bezeichnet, sind chemische Produkte (anaerobe Klebstoffe), die eine Schraube im Gewinde fixieren. Sie härten ohne Sauerstoff im Spalt zwischen Schraube und Gewinde aus.
Festigkeitsstufen:
Niedrig (Loctite 222, lila):
Mittel (Loctite 243, blau):
Hoch (Loctite 270, rot):
Permanent (Loctite 271, rot):
Wichtige Hinweise zu chemischen Sicherungen:
Anwendung:
WARNUNG - Carbon: NIEMALS chemische Schraubensicherung auf Carbon-Bauteile! Der Klebstoff kann in die Carbon-Struktur eindringen und diese beschädigen oder schwächen. Für Carbon: Nur mechanische Sicherungen (Nord-Lock) oder Montagepaste verwenden!
Entfernung:
Vorteile chemisch:
Nachteile chemisch:
Bei besonders beanspruchten Schrauben, wie etwa bei Mountainbikes oder E-Bikes, kann die Kombination aus mechanischen und chemischen Schraubensicherungen sinnvoll sein. Beispiel: Nord-Lock Scheibe + Loctite 243 für maximale Sicherheit an kritischen Stellen.
Wann Kombination?
| Eigenschaft | Mechanisch (z.B. Nord-Lock) | Chemisch (z.B. Loctite 243) |
|---|---|---|
| Sicherheit | Sehr gut (Nord-Lock) bis mittel (Federring) | Sehr gut bis extrem hoch |
| Carbon-geeignet | Ja (Nord-Lock + Montagepaste) | NEIN! (beschädigt Carbon) |
| Wiederverwendbar | Ja (außer Sicherungsbleche) | Nein (neue Sicherung bei jedem Lösen) |
| Aushärtezeit | Keine (sofort belastbar) | 24 Stunden |
| Lösbarkeit | Einfach | Mittel (blau) bis schwer (rot) |
| Platzbedarf | Ja (Scheiben) | Nein |
| Kosten | Gering (Scheiben günstig) | Gering (Flasche reicht für viele Schrauben) |
| Einsatz | Alle Verbindungen, besonders Carbon | Nur auf Metall, nicht auf Carbon! |
Die Wahl der Schraubensicherung hängt stark davon ab, welche Teile am Fahrrad gesichert werden sollen.
Schrauben am Lenker und Vorbau: Diese Schrauben sind entscheidend für deine Sicherheit und müssen absolut fest sitzen. Empfehlung: Loctite 243 (blau) oder Nord-Lock (bei Carbon-Lenker/Vorbau IMMER Nord-Lock!). Anzugsmoment beachten (meist 5-8 Nm)!
Schrauben am Sattel oder der Sattelstütze: Da diese Teile ständigen Bewegungen ausgesetzt sind, solltest du hier ebenfalls auf eine robuste Sicherung achten. Empfehlung: Loctite 243 oder Zahnscheiben. Bei Carbon-Sattelstütze: Nord-Lock + Montagepaste.
Bremsen: Hier dürfen Schrauben auf keinen Fall locker werden! Empfehlung: Loctite 243 für Befestigungsschrauben. Bremsbeläge: Meist ohne Sicherung (häufiger Wechsel).
Gangschaltung: Schaltwerk- und Umwerfer-Befestigung: Loctite 243. Einstellschrauben: Keine oder nur Loctite 222 (oft lösen).
Pedale: Empfehlung: Loctite 243 im Pedalgewinde (verhindert Festfressen). Wichtig: Linkes Pedal hat Linksgewinde!
Tretlager: Klassisch: Sicherungsbleche. Modern (Hollowtech etc.): Loctite 243 oder gar keine (hohe Anzugsmomente).
Flaschenhalter, Schutzbleche: Loctite 243 oder einfache Zahnscheiben. Unkritisch, aber praktisch.
Wenn du dir nicht sicher bist, welche Schrauben gesichert werden müssen oder welche Methode du wählen sollst, lohnt es sich, einen Experten in deiner Fahrradwerkstatt zu fragen.
Was ist eigentlich der richtige Zeitpunkt, um eine Schraubensicherung vorzunehmen? Hier sind einige Indikatoren:
Vibrationen und Erschütterungen: Wenn du gerne auf Trails, Kopfsteinpflaster oder anderen unebenen Wegen unterwegs bist, solltest du unbedingt Schrauben absichern, die sich durch wiederholte Bewegungen lockern könnten. Besonders MTB und Gravelbikes betroffen.
Wichtige Verbindungspunkte: Schrauben an sicherheitsrelevanten Stellen, wie an der Bremsanlage, am Lenkersystem oder Vorbau, müssen immer perfekt sitzen. Keine Kompromisse beim Thema Sicherheit!
Neumontage oder Wartung: Wann immer du an deinem Fahrrad eine Schraube austauschst oder eine Wartung durchführst, lohnt sich der Einsatz von Schraubensicherungen. Besonders nach dem Lösen: Alte chemische Sicherung entfernen, neue auftragen.
E-Bikes: Höhere Belastungen durch Motor und Gewicht → mehr Vibrationen → Schrauben lockern sich schneller. Schraubensicherung besonders wichtig!
Kurzum: Überall, wo ein versehentliches Lösen fatale Folgen haben könnte, ist eine Schraubensicherung unverzichtbar.
Wichtig: Schraubensicherung ersetzt NICHT das korrekte Anzugsmoment!
Typische Anzugsmomente am Fahrrad:
Solltest du gerade keine spezielle Schraubensicherung zur Hand haben, gibt es einige Alternativen:
Teflonband (PTFE-Band): Ein dünner Streifen Teflonband um das Schraubengewinde kann helfen, die Verbindung zu stabilisieren. Es ist jedoch keine langfristige Lösung. Eher für Sanitär gedacht, nicht für Vibrationen.
Nagellack: Falls du in einer Notsituation bist, kann klarer Nagellack kurzfristig als Ersatz für flüssige Schraubensicherungen dienen. Er bildet eine dünne Schutzschicht, die die Schraube fixiert. Nicht sehr haltbar, nur für Notfälle!
Kombinieren mit Sicherungsscheiben: Mechanische Elemente wie Zahnscheiben oder Federringe bleiben oft die einfachste Lösung, insbesondere bei vorhandenen Ersatzteilen.
Sekundenkleber: NICHT empfohlen! Zu stark (schwer lösbar) oder zu schwach (hält nicht). Außerdem spröde, bricht bei Belastung.
Langfristig empfehlen wir aber, eine passende Schraubensicherung zu verwenden, da sie speziell dafür entwickelt wurde, maximale Haltbarkeit und Sicherheit zu garantieren.
Welche Schraubensicherung für Fahrrad? Standard: Loctite 243 (blau) für fast alle Schrauben am Fahrrad. Mechanisch: Nord-Lock Scheiben für Carbon-Bauteile oder wenn Wiederverwendbarkeit wichtig ist. Für häufig gelöste Schrauben: Loctite 222 (lila) oder nur mechanisch. Für permanente Verbindungen: Loctite 270 (rot), aber selten nötig am Fahrrad.
Kann man Schraubensicherung auf Carbon verwenden? NEIN! Chemische Schraubensicherung (Loctite, Schraubenkleber) niemals auf Carbon-Bauteilen verwenden! Der Klebstoff kann in die Carbon-Struktur eindringen und diese schwächen oder beschädigen. Für Carbon: Nord-Lock Scheiben + Montagepaste (spezielles Carbon-Fett). Montagepaste erhöht Reibung, reduziert benötigtes Drehmoment.
Wie lange hält Schraubensicherung? Chemisch (Loctite): Nach Aushärtung (24h) hält sie dauerhaft, bis Schraube gelöst wird. Mechanisch (Nord-Lock, Scheiben): Unbegrenzt, solange nicht beschädigt. Nord-Lock wiederverwendbar. Bei jedem Lösen einer chemisch gesicherten Schraube: Alte Sicherung entfernen (abkratzen), neue auftragen.
Wie entfernt man Schraubensicherung? Loctite 243 (blau): Mit normalem Werkzeug lösbar, etwas Kraftaufwand (Losbrechmoment 13-18 Nm). Loctite 270 (rot): Erwärmen auf 250°C mit Heißluftpistole, dann lösen. Mechanisch: Scheiben entfernen, fertig. Nach Lösen chemischer Sicherung: Gewindereste abkratzen oder mit Drahtbürste entfernen, vor Neumontage neue Sicherung auftragen.
Braucht jede Schraube am Fahrrad Schraubensicherung? Nein, nicht jede. Sicherheitskritisch: Lenker, Vorbau, Bremsen, Sattelstütze → JA, unbedingt! Oft gelöst: Einstellschrauben, manche Bremsbeläge → eher nein oder nur niedrig (Loctite 222). Unkritisch mit wenig Vibration: Schutzbleche, Gepäckträger → optional (praktisch, aber nicht zwingend). Faustregel: Sicherheitskritisch oder häufige Vibrationen → Schraubensicherung verwenden.
Was ist besser: Mechanisch oder chemisch? Abhängig vom Einsatz. Chemisch (Loctite 243) besser bei: Metall-auf-Metall, hohe Sicherheit gewünscht, kein häufiges Lösen. Mechanisch (Nord-Lock) besser bei: Carbon-Bauteile, häufiges Lösen/Anziehen, keine Aushärtezeit gewünscht, Wiederverwendbarkeit wichtig. Für maximale Sicherheit: Kombination möglich (Nord-Lock + Loctite).
Kann Schraubensicherung Schrauben beschädigen? Normalerweise nein. Loctite greift Gewinde nicht an (nur nicht auf Carbon!). Nord-Lock schont Gewinde. Zahnscheiben können Oberflächen leicht beschädigen (Zähne graben sich ein), aber Gewinde bleibt intakt. Wichtig: Immer korrektes Drehmoment verwenden! Zu fest angezogen kann Schraube brechen, egal ob mit oder ohne Sicherung.