Die Ausfallenden sind die Anschlussstellen am hinteren oder vorderen Ende des Rahmens, an denen die Achse des Laufrads montiert wird. Sie bieten dabei nicht nur eine Halterung, sondern ermöglichen es, das Hinterrad exakt zu positionieren und zu sichern. Der Name “Ausfallende” kommt daher, dass früher das Rad aus dem Rahmen “herausfallen” konnte, wenn die Achsmutter gelöst wurde, was den Reifenwechsel vereinfachte.
Je nach Fahrradtyp und Einsatzzweck gibt es unterschiedliche Bauarten von Ausfallenden: horizontale, vertikale oder Steckachsen-Ausführungen. Jede Bauform hat ihre spezifischen Vorteile und ist für bestimmte Fahrradtypen und Einsatzbereiche optimiert. Das richtige Ausfallende beeinflusst die Steifigkeit des Rahmens, die Schnelligkeit des Radwechsels und die Übertragung von Brems- und Antriebskräften.
Vertikale Ausfallenden sind besonders häufig bei modernen Fahrrädern anzutreffen, weil das Rad schnell und einfach eingesetzt werden kann. Das Laufrad wird von oben eingelegt und mit einem Schnellspanner (QR, Quick Release) oder Achsmutter gesichert. Ideal für Rennräder, Trekkingräder und ältere Mountainbikes. Vorteil: Radwechsel in unter einer Minute möglich. Nachteil: Weniger Steifigkeit als Steckachsen.
Horizontale Ausfallenden ermöglichen die Feinjustierung der Kettenlänge durch das Verschieben des Hinterrads nach vorne oder hinten. Das Hinterrad kann in einem Schlitz verschoben werden, was die Kettenspannung präzise einstellbar macht. Häufig bei Singlespeed- oder Bahnradrahmen (Fixie) anzutreffen, da diese keine Schaltung haben und die Kettenlänge manuell angepasst werden muss. Auch bei manchen Touring-Rädern verbaut, die mit Nabenschaltung oder Nabe ohne Schaltung fahren.
Steckachsen-Ausfallenden bieten maximale Stabilität und Steifigkeit, besonders bei E-Bikes und modernen Mountainbikes. Statt eines Schnellspanners wird eine Steckachse durch Nabe und Rahmen geschraubt. Das eliminiert jegliches Spiel zwischen Rad und Rahmen und verbessert die Präzision beim Bremsen und Schalten deutlich. Alle modernen Hochleistungs-MTBs, Gravelbikes und E-Bikes nutzen heute Steckachsen.
Steckachsen sind nicht standardisiert und kommen in verschiedenen Durchmessern und Längen. Vor dem Kauf musst du die genauen Maße deines Rahmens kennen.
Hinterrad-Steckachsen (häufigste Standards): 12×142mm ist der Standard bei MTB und Gravel (142mm Einbaubreite, 12mm Durchmesser). 12×148mm “Boost” ist für moderne MTBs mit breiteren Naben, für mehr Einspeigewinkel und Steifigkeit. 12×135mm findet sich bei älteren MTBs und manchen E-Bikes.
Vorderrad-Steckachsen: 15×100mm ist der Standard bei MTB-Federgabeln. 15×110mm “Boost” für moderne MTBs. 12×100mm bei Rennrad und Gravel. 20×110mm bei Downhill-Gabeln.
Die Einbaubreite (erster Wert) und der Durchmesser (zweiter Wert) müssen exakt passen. Eine falsche Steckachse lässt sich entweder gar nicht einschrauben oder sitzt mit Spiel, was gefährlich ist.
Ein besonders wichtiges, oft übersehenes Detail ist das Schaltwerk-Ausfallende (englisch: Rear Derailleur Hanger, kurz RD Hanger). Das ist ein kleines Aluminium-Bauteil, das zwischen Rahmen und Schaltwerk sitzt und absichtlich als Sollbruchstelle konstruiert ist.
Warum ein Sollbruchstelle? Bei einem Sturz oder wenn ein Ast ins Schaltwerk gerät, soll der RD Hanger brechen, bevor das teurere Schaltwerk (100-500 Euro) oder der Rahmen (500-5.000 Euro) beschädigt wird. Ein neuer RD Hanger kostet nur 10 bis 30 Euro und ist in wenigen Minuten getauscht.
Wichtig: RD Hanger sind nicht universell. Fast jeder Rahmen hat sein eigenes Modell, da Form und Bohrungsabstand variieren. Trage immer einen passenden Ersatz-Hanger auf langen Touren oder Bikepacking-Reisen mit dir. Viele Hersteller verkaufen passende Hanger direkt, oder du findest sie bei Spezialversändern wie Derailleur Hanger (derailleurhanger.com). Kosten: 10 bis 30 Euro pro Stück.
| Eigenschaft | Schnellspanner (QR) | Steckachse (Thru-Axle) |
|---|---|---|
| Montagezeit | <30 Sekunden | 1-2 Minuten |
| Steifigkeit | Mittel | Sehr hoch |
| Gewicht | 50-80g | 80-150g |
| Bremsleistung | Gut | Sehr gut (weniger Flex) |
| Schaltpräzision | Gut | Sehr gut (Rad sitzt immer gleich) |
| Sturzsicherheit | Gering (kann sich lösen) | Sehr hoch |
| Kosten Ersatz | 10-30€ | 20-60€ |
| Einsatz | Rennrad, Trekking, ältere MTBs | Modernes MTB, Gravel, E-Bike |
| Standard | 9mm (QR) | 12mm, 15mm, 20mm |
Steckachsen setzen sich im modernen Fahrradbau immer mehr durch, da sie deutlich mehr Steifigkeit und Sicherheit bieten. Beim Bremsen mit einer Scheibenbremse entstehen hohe Kräfte am Ausfallende: Steckachsen übertragen diese gleichmäßiger, was besseres Bremsgefühl und weniger Rahmenbelastung bedeutet.
Ausfallenden haben mehrere wichtige Funktionen, die über das simple Halten des Rades hinausgehen. Sie sorgen dafür, dass das Hinterrad stabil im Rahmen sitzt und ermöglichen Anpassungen für verschiedene Einsatzzwecke.
Hinterradstabilität: Eine stabile Verbindung zwischen Hinterrad und Rahmen ist essenziell für sicheres Fahrverhalten. Besonders bei Scheibenbremsen, die hohe Querkräfte auf das Ausfallende ausüben, ist eine stabile Verbindung wichtig. Steckachsen übertragen diese Kräfte deutlich besser als Schnellspanner.
Gangschaltung und Kettenspannung: Horizontale oder verstellbare Ausfallenden erlauben präzise Kettenspannung, was besonders bei Singlespeed- oder Fixie-Bikes wichtig ist. Bei Schaltung-Rädern sitzt das Schaltwerk am RD Hanger, der die genaue Position des Schaltwerks zur Kassette definiert.
Reifenwechsel und Justierung: Vertikale Ausfallenden oder Steckachsen machen das Ein- und Ausbauen des Hinterrads einfacher und beschleunigen Reparaturen unterwegs. Ein verbogener RD Hanger kann das Schalten stark beeinträchtigen, er lässt sich aber mit einem speziellen Werkzeug (RD Hanger Alignment Tool, 30-80 Euro) nachrichten.
Die Auswahl des richtigen Typs hängt von deinem Fahrradtyp, Fahrstil und Einsatzzweck ab. Für Mountainbikes oder E-Bikes empfehlen sich Steckachsen-Ausfallenden, da sie die nötige Steifigkeit für Scheibenbremsen und anspruchsvolles Gelände bieten. Für Rennräder und Trekkingräder sind vertikale Schnellspanner-Ausfallenden oft ausreichend und ermöglichen schnelle Reparaturen.
Materialqualität: Ausfallenden aus robustem Aluminium oder Stahl garantieren lange Lebensdauer. Carbon-Ausfallenden sind leichter, können jedoch empfindlicher gegenüber Stößen sein. RD Hanger sind bewusst aus weicherem Aluminium gefertigt (Sollbruchstelle), hochwertige Hanger aus 7075-Aluminium sind etwas teurer (15-30 Euro), aber haltbarer.
Anpassbarkeit: Wenn du ein vielseitiges Fahrrad benötigst, könnten verstellbare oder horizontale Ausfallenden ideal sein, da sie mehr Spielraum bei der Feinabstimmung der Kettenspannung geben. Für Singlespeed-Umbauten sind horizontale Ausfallenden oder spezielle Singlespeed-Ausfallenden (auch “Slidern” genannt) interessant.
Damit deine Ausfallenden dauerhaft gute Dienste leisten, solltest du regelmäßig überprüfen, ob sie in einwandfreiem Zustand sind.
Reinigung: Entferne regelmäßig Schmutz und Rückstände, insbesondere wenn du oft abseits der Straße unterwegs bist. Schmutzansammlungen können die Passgenauigkeit beeinträchtigen und bei Steckachsen das Einschrauben erschweren.
Korrosionsschutz: Bei Metall-Ausfallenden regelmäßig auf Rost prüfen. Besonders die Gewinde der Steckachsen können korrodieren. Trage dünn Kupferpaste oder Antisieze auf die Gewinde auf (nicht Fett, da Fett das Drehmoment verfälscht).
Befestigung kontrollieren: Überprüfe die Schrauben oder Steckachsen regelmäßig auf korrektes Anzugsmoment. Steckachsen: typisch 15-20 Nm (Angabe auf der Achse oder im Handbuch). Zu fest = Gewinde beschädigt, zu locker = Rad kann sich lösen.
RD Hanger prüfen: Kontrolliere nach Stürzen immer den RD Hanger auf Verbiegung. Ein leicht verbogener Hanger führt zu schlechtem Schalten (Kette springt, schaltet nicht sauber). Teste: Blick von hinten auf das Schaltwerk, die Schaltwerks-Leitrollen sollten parallel zur Kassette stehen. Abweichung > 2mm: Hanger nachrichten oder tauschen.
Fett auftragen: Bei verstellbaren Ausfallenden kann ein dünner Film Montagefett das Verschieben erleichtern und Knarzgeräusche verhindern.
Was ist ein RD Hanger und warum bricht er? Der RD Hanger (Schaltwerk-Ausfallende) ist ein kleines Aluminiumteil zwischen Rahmen und Schaltwerk, das als Sollbruchstelle dient. Bei einem Sturz oder Einschlag soll der Hanger brechen statt des teureren Schaltwerks (100-500 Euro) oder Rahmens (500-5.000 Euro). Ein neuer Hanger kostet 10-30 Euro. Wichtig: Jeder Rahmen hat einen spezifischen Hanger, der nicht universell austauschbar ist. Trage immer einen Ersatz-Hanger auf Touren mit. Ein verbogener (nicht gebrochener) Hanger lässt sich mit einem Alignment-Werkzeug nachrichten.
Was ist der Unterschied zwischen Schnellspanner und Steckachse? Ein Schnellspanner (QR, 9mm) klemmt die Achse zwischen den Ausfallenden mit einem Hebelmechanismus. Schnell, aber weniger steif. Eine Steckachse (12, 15 oder 20mm) wird durch Nabe und Rahmen geschraubt und bietet deutlich mehr Steifigkeit und Sicherheit. Steckachsen sind Standard bei modernen MTBs, Gravelbikes und E-Bikes. Rennräder nutzen zunehmend 12mm-Steckachsen, ältere Räder haben QR. Schnellspanner und Steckachsen sind nicht kompatibel, da die Nabenbreite unterschiedlich ist.
Mein Schaltwerk schaltet schlecht, kann der Hanger schuld sein? Ja, sehr wahrscheinlich sogar. Ein leicht verbogener RD Hanger ist eine der häufigsten Ursachen für schlechtes Schalten. Symptome: Kette springt auf bestimmten Ritzeln, schaltet träge oder gar nicht. Prüfe: Von hinten auf das Schaltwerk schauen. Die Leitrollen sollten exakt parallel zur Kassette stehen. Sind sie schräg oder der Hanger sichtbar verbogen: nachrichten oder tauschen. Kosten: Nachrichten mit Werkzeug 30-80 Euro (Werkzeug einmalig), neuer Hanger 10-30 Euro. Oft genug, um ein komplett neues Schaltwerk zu vermeiden.
Welche Steckachse passt zu meinem Rad? Das Maß steht meist auf der alten Steckachse selbst (z.B. “12×142mm”) oder im Rahmen-Handbuch. Alternativ: Messe die Einbaubreite des Hinterrads (Abstand zwischen den Ausfallenden, z.B. 142mm oder 148mm für Boost) und den Achsdurchmesser (fast immer 12mm hinten, 15mm vorne bei MTB). Wichtig auch: das Gewinde (meist M12×1,0 oder M12×1,5) und die Länge der Achse. Im Zweifel: Hersteller-Website oder Fachhandel fragen. Falsche Achsen können gefährlich sein.
Können Ausfallenden repariert werden? Verbogene Stahl- oder Aluminium-Ausfallenden am Rahmen lassen sich manchmal nachrichten, aber das ist riskant: Gerichtetes Material kann brechen. Bei Carbon-Rahmen: Finger weg, nur Fachmann. Bei günstigen Stahlrahmen kann ein erfahrener Rahmenbauer das Ausfallende nachrichten oder neu einschweißen (50-150 Euro). Bei modernen Alu- oder Carbon-Rahmen ist meist ein Komplettrahmenkauf nötig, wenn das fest integrierte Ausfallende beschädigt ist. Deshalb sind auswechselbare RD Hanger so wichtig.
Was kostet ein neues Ausfallende? RD Hanger (Schaltwerk-Ausfallende): 10-30 Euro, rahmenspezifsich. Steckachse vorne (15×100mm): 20-50 Euro. Steckachse hinten (12×142mm): 25-60 Euro. Hochwertige Titan-Steckachsen: 40-100 Euro (leichter, korrosionsfest). Nachrichten eines verbogenen Hangers mit Werkzeug: 20-40 Euro Werkstattkosten. Tipp: Kaufe beim Neukauf eines Fahrrads gleich 1-2 Ersatz-Hanger dazu (10-30 Euro). Ersatz-Hanger werden manchmal eingestellt und dann schwer zu finden.
Was bedeutet “Boost” bei Ausfallenden? “Boost” bezeichnet einen breiteren Standard für Hinterrad-Einbaubreiten (148mm statt 142mm) und Vorderrad (110mm statt 100mm). Die breiteren Ausfallenden ermöglichen steilere Einspeichwinkel, was die Laufräder steifer und damit belastbarer macht. Boost-Laufräder haben breitere Naben und sind nicht direkt mit Non-Boost-Rahmen kompatibel (Adapater möglich, aber nicht ideal). Fast alle neuen MTBs ab ca. 2016 haben Boost-Standard. Erkennbar am “Boost” Aufdruck auf Rahmen und Gabel.