Boost ist ein Nabenstandard für Mountainbikes, der die Einbaubreite der Naben gegenüber dem bis dahin gültigen Standard vergrößert. Hinten wuchs die Einbaubreite von 142 auf 148 Millimeter, vorn von 100 auf 110 Millimeter. SRAM brachte das Maß 2015 auf den Markt; heute ist Boost bei Mittelklasse- und Highend-MTBs weitgehend Standard.
Der Grund für die Änderung liegt in der Geometrie des Laufrades: Breitere Naben ermöglichen einen steileren Speichenwinkel, weil die Flansche weiter außen sitzen. Das macht das Laufrad seitlich steifer, was bei großen Laufraddurchmessern wie 29 Zoll besonders relevant ist, weil lange Speichen mehr seitliche Nachgiebigkeit haben als kurze.
| Position | Pre-Boost | Boost | Super Boost Plus |
|---|---|---|---|
| Hinterrad Einbaubreite | 142 Millimeter | 148 Millimeter | 157 Millimeter |
| Vorderrad Einbaubreite | 100 Millimeter | 110 Millimeter | 110 Millimeter |
| Steckachse hinten | 12x142 Millimeter | 12x148 Millimeter | 12x157 Millimeter |
| Steckachse vorne | 15x100 Millimeter | 15x110 Millimeter | 15x110 Millimeter |
Super Boost Plus mit 157 Millimetern hinten wird von einigen Herstellern wie Trek und Specialized bei bestimmten Enduro- und Downhill-Modellen eingesetzt, ist aber kein allgemeiner Marktstandard.
Die 6 Millimeter mehr hinten und 10 Millimeter mehr vorn verschieben die Nabenflansche nach außen. Das hat zwei direkte Auswirkungen: Die Speichen laufen in einem steileren Winkel zur Felge, was die Seitensteifigkeit erhöht. Außerdem verschiebt sich die Kettenlinie um 3 Millimeter nach außen, was bei modernen 1-fach-Antrieben mit breiten Kassetten die Schaltgeometrie verbessert und mehr Reifenfreiheit zwischen Kettenstreben und Reifen schafft.
Der Unterschied in der Fahrpraxis ist am deutlichsten bei 29-Zoll-Laufrädern unter hoher Seitenbelastung, also in schnellen Kurven auf rauem Untergrund. Bei kleinen Laufrädern fällt der Steifigkeitsgewinn weniger ins Gewicht.
Boost-Naben passen nicht in Pre-Boost-Rahmen und ‑Gabeln. Wer ein älteres Fahrrad auf Boost umrüsten will, benötigt entweder Adapter oder neue Rahmenteile, was in der Praxis selten wirtschaftlich ist.
Umgekehrt lassen sich Boost-Naben mit Adaptern in einige Pre-Boost-Rahmen einbauen, sofern die Ausfallenden genug Platz bieten. Die Steckachse muss dabei ebenfalls getauscht werden. Für die Vorderradnabe gilt das gleiche Prinzip: 15x110-Steckachsen passen nicht in 15x100-Gabeln ohne Adapter.
Wer ein neues Laufrad oder eine neue Nabe kauft, sollte zuerst prüfen, ob der Rahmen Boost oder Pre-Boost ist. Diese Angabe steht im Geometrieblatt oder in den technischen Daten des Herstellers, oft unter “Rear Axle” und “Front Axle”.