Was ist eine Fahrradfelge?
Die Felge ist der äußere ringförmige Teil deines Fahrradrades, an dem der Reifen befestigt wird. Sie dient nicht nur als Grundgerüst für den Reifen, sondern trägt auch zur Stabilität des Rads bei und wirkt sich auf dessen Gewicht, Aerodynamik und Haltbarkeit aus. Meistens besteht die Fahrradfelge aus Aluminium, Stahl oder Carbon, je nach Einsatzzweck und Budget.
Die Felge arbeitet in Kombination mit Speichen, Nabe und Reifen, um die Belastungen beim Fahren gleichmäßig zu verteilen. Ohne eine hochwertige und passende Felge kann dein Fahrrad schnell an Leistung und Sicherheit einbüßen. Besonders wichtig sind dabei die Felgenbreite (Maulweite), die Felgenhöhe und die Bauart (Clincher, Tubeless, Tubular).
ETRTO/ISO-Standard: Die wichtigste Größenangabe
Der ETRTO-Standard (European Tire and Rim Technical Organization) oder ISO-Standard gibt die exakte Felgengröße in Millimetern an und ist deutlich präziser als Zoll-Angaben.
Die wichtigsten ETRTO-Größen:
622mm (entspricht 28", 29", 700C):
- Verwendet bei: Rennrädern (700C), Trekkingrädern (28"), Mountainbikes (29"), Gravelbikes
- Besonderheit: Gleiche Felgengröße, unterschiedliche Reifenbreiten
- Beispiel: 28-622 = 28mm breiter Reifen auf 622mm Felge
- Am weitesten verbreitet
584mm (entspricht 27,5", 650B):
- Verwendet bei: Moderne Mountainbikes, Gravelbikes (650B)
- Vorteil: Balance zwischen Wendigkeit und Laufruhe
- Typische Reifenbreite: 2.1" bis 2.6" (MTB)
559mm (entspricht 26"):
- Verwendet bei: Ältere Mountainbikes, Citybikes, Jugendräder
- Status: Auslaufmodell bei MTBs, noch verbreitet bei Citybikes
- Typische Reifenbreite: 1.5" bis 2.5"
406mm (entspricht 20"):
- Verwendet bei: Klapprädern, BMX, Kinderrädern
- Vorteil: Kompakt, leicht zu transportieren
Weitere Größen:
- 635mm: 28" (alter französischer Standard, selten)
- 571mm: 26" (Rennrad, sehr selten)
- 540mm: 24" (Jugendräder)
- 305mm: 16" (Kinderräder)
Wichtig: Die ETRTO-Zahl findest du auf der Reifenflanke, z.B. “37-622” bedeutet:
- 37mm Reifenbreite
- 622mm Felgendurchmesser (= 28"/29"/700C)
Felgenbreite: Der wichtigste Parameter
Die Maulweite (innere Felgenbreite) ist entscheidend für die Reifenkompatibilität und das Fahrverhalten. Sie wird in Millimetern gemessen und bestimmt, welche Reifen optimal passen.
Maulweite-Kategorien:
Schmale Felgen (13-17mm):
- Einsatz: Ältere Rennräder, klassische Tourenräder
- Passende Reifen: 23-28mm
- Status: Weitgehend veraltet
- Nachteil: Schmale Reifen, schlechter Komfort
Klassische Rennrad-Felgen (17-21mm):
- Einsatz: Rennräder (bis ca. 2015)
- Passende Reifen: 25-32mm
- Beispiel: Mavic Ksyrium (19mm innen)
- Status: Noch verbreitet, aber überholt
Moderne Rennrad-Felgen (21-25mm):
- Einsatz: Moderne Rennräder, Gravelbikes
- Passende Reifen: 28-40mm
- Beispiel: DT Swiss PR 1600 (22mm innen)
- Standard heute: Ermöglicht breitere, komfortablere Reifen
Breite Gravel/Road-Felgen (25-30mm):
- Einsatz: Gravelbikes, moderne Allroad-Bikes
- Passende Reifen: 35-50mm
- Beispiel: DT Swiss GR 1600 (27mm innen)
- Vorteil: Sehr vielseitig, Komfort + Geschwindigkeit
MTB Trail-Felgen (25-30mm):
- Einsatz: Cross Country, Trail-MTBs
- Passende Reifen: 2.0" bis 2.4" (ca. 50-60mm)
- Beispiel: DT Swiss XM 1700 (25mm innen)
- Standard: Guter Kompromiss
MTB Enduro-Felgen (30-35mm):
- Einsatz: Enduro, All-Mountain
- Passende Reifen: 2.3" bis 2.6" (ca. 58-66mm)
- Beispiel: DT Swiss EX 1700 (30mm innen)
- Vorteil: Besserer Reifenhalt, mehr Volumen
MTB Plus/DH-Felgen (35-40mm):
- Einsatz: Downhill, Plus-Bikes
- Passende Reifen: 2.5" bis 3.0" (ca. 64-76mm)
- Beispiel: DT Swiss FR 1970 (35mm innen)
- Vorteil: Maximaler Grip und Dämpfung
Fatbike-Felgen (60-100mm):
- Einsatz: Fatbikes (Sand, Schnee)
- Passende Reifen: 3.8" bis 5.0" (ca. 97-127mm)
- Besonderheit: Extrembreite für niedrigen Reifendruck
Tabelle: Felgenbreite und passende Reifenbreite
| Innere Felgenbreite (Maulweite) |
Optimale Reifenbreite |
Einsatzbereich |
| 17-19mm |
23-32mm |
Klassisches Rennrad |
| 19-21mm |
25-35mm |
Modernes Rennrad |
| 21-25mm |
28-40mm |
Rennrad/Gravel (vielseitig) |
| 25-30mm |
35-50mm |
Gravel, Allroad |
| 25-30mm MTB |
2.0-2.4" (50-60mm) |
XC, Trail-MTB |
| 30-35mm |
2.3-2.6" (58-66mm) |
Enduro, All-Mountain |
| 35-40mm |
2.5-3.0" (64-76mm) |
Downhill, Freeride |
Faustregel: Reifenbreite sollte 1,4x bis 2,2x der inneren Felgenbreite entsprechen.
Felgenhöhe und Aerodynamik
Die Felgenhöhe (Profilhöhe) misst den Abstand von der Felgenbasis bis zur Reifenauflagefläche und beeinflusst Aerodynamik, Gewicht und Steifigkeit.
Felgenhöhen-Kategorien:
Flachfelgen (20-30mm):
- Gewicht: Leicht (ca. 350-450g)
- Aerodynamik: Gering
- Seitenwind: Unproblematisch
- Steifigkeit: Gut
- Einsatz: Klettern, Bergrennen, leichte Allrounder
- Beispiel: DT Swiss PRC 1100 (24mm)
Mittelhohe Felgen (30-50mm):
- Gewicht: Mittel (ca. 400-550g)
- Aerodynamik: Gut
- Seitenwind: Mäßig
- Steifigkeit: Sehr gut
- Einsatz: Allround-Rennrad, Triathlon, Zeitfahren
- Beispiel: Mavic Cosmic Pro Carbon (45mm)
- Beliebteste Wahl: Bester Kompromiss
Hohe Felgen (50-65mm):
- Gewicht: Schwer (ca. 500-700g)
- Aerodynamik: Sehr gut
- Seitenwind: Anfällig
- Steifigkeit: Maximal
- Einsatz: Zeitfahren, Triathlon, flache Strecken
- Beispiel: Zipp 404 (58mm)
Scheibenräder (vollständig geschlossen):
- Gewicht: Sehr schwer (1.000g+)
- Aerodynamik: Maximal
- Seitenwind: Sehr anfällig (meist nur hinten)
- Einsatz: Bahnrad, Zeitfahren (nur hinten)
- UCI-Regel: Nur hinten erlaubt
Empfehlung nach Einsatzbereich:
- Bergfahrer: 20-35mm (leicht)
- Allrounder: 35-50mm (vielseitig)
- Zeitfahrer/Triathleten: 50-80mm (schnell)
- MTB: Felgenhöhe weniger relevant (meist 20-30mm)
Welche Arten von Fahrradfelgen gibt es?
1. Clincher-Felge (Hakenfelge, Drahtreifen)
Die Clincher (auch Hakenfelge oder im deutschen “Drahtreifen-Felge”) ist der Standard bei den meisten Fahrrädern. Der Reifen hat eine Draht- oder Kevlarkante (Wulst), die in die Hakenkante der Felge einrastet.
Aufbau:
- Felge mit Hakenkante (Bead Hook)
- Reifen mit Wulst
- Schlauch zwischen Reifen und Felge (oder tubeless ohne Schlauch)
Vorteile:
- Einfach zu montieren und zu reparieren
- Große Auswahl an Reifen
- Günstiger als Tubular
- Schlauch oder tubeless möglich
Nachteile:
- Etwas schwerer als Tubular
- Gefahr von Durchschlägen (mit Schlauch)
Einsatz: Universal, alle Fahrradtypen, 95% aller Bikes
Preis: 30-800€ pro Felge
2. Tubeless-Felge (schlauchlos)
Tubeless ist eine Sonderform der Clincher-Felge, speziell für schlauchlosen Betrieb entwickelt. Die Felge ist luftdicht und der Reifen wird mit Dichtmilch gefahren.
Besonderheiten:
- Luftdichte Felge (ohne Speichenlöcher nach innen oder versiegelt)
- Spezielles Felgenband (tubeless tape)
- Tubeless-Ventil
- Dichtmilch im Reifen
Vorteile:
- Geringeres Gewicht (kein Schlauch)
- Niedrigerer Reifendruck möglich (besserer Grip, Komfort)
- Schutz vor Durchschlägen (Snake Bites)
- Dichtmilch verschließt kleine Löcher automatisch
- Besserer Rollwiderstand
Nachteile:
- Komplexere Montage (braucht oft Kompressor)
- Dichtmilch muss regelmäßig erneuert werden (alle 3-6 Monate)
- Nicht alle Reifen-Felgen-Kombinationen funktionieren
- Teurer als Clincher mit Schlauch
Einsatz: Sehr beliebt bei MTB, Gravel, moderne Rennräder
Preis: 50-1.000€ pro Felge
3. Hookless-Felge (moderne Tubeless-Felge)
Hookless ist die neueste Entwicklung bei Tubeless-Felgen. Die Hakenkante fehlt komplett, der Felgenrand ist glatt.
Vorteile:
- Einfachere Fertigung (günstiger bei Carbon)
- Stabilerer Felgenrand (weniger Bruchgefahr)
- Bessere Dichtung (Reifen sitzt straffer)
- Leichter
Nachteile:
- Nur für tubeless geeignet (kein Schlauch!)
- Maximaler Reifendruck begrenzt (meist 72 PSI / 5 bar)
- Nicht alle Reifen kompatibel (müssen “tubeless ready” und “hookless compatible” sein)
- Noch nicht voll etabliert
Wichtig: Nur mit hookless-kompatiblen Reifen verwenden! Sonst Gefahr dass Reifen abspringt.
Einsatz: Moderne High-End MTBs, Gravelbikes, einige Rennräder
Beispiele: SRAM/Zipp, Reserve, Santa Cruz Reserve
4. Tubular-Felge (Schlauchreifen)
Tubular (auch “Schlauchreifen”) ist ein System, bei dem der Reifen komplett geschlossen ist (Schlauch ist eingenäht) und auf die Felge geklebt wird.
Aufbau:
- Glatte Felge ohne Haken
- Reifen mit eingenähtem Schlauch
- Wird mit Spezialkleber oder Klebeband befestigt
Vorteile:
- Sehr leicht (leichteste Option)
- Exzellentes Fahrgefühl (rund, geschmeidig)
- Bei Defekt kann man noch weiterfahren (Reifen bleibt auf Felge)
- Traditionell im Profi-Radsport
Nachteile:
- Sehr teuer (Reifen: 50-150€ pro Stück)
- Komplizierte Montage (Kleben!)
- Reparatur schwierig (meist neuer Reifen nötig)
- Weniger Auswahl als Clincher
- Bei Defekt unpraktisch (kein schneller Schlauchwechsel)
Einsatz: Nur noch Profi-Rennrad, Bahnrad, Cyclocross (auslaufend)
Status: Wird zunehmend von Tubeless verdrängt
Preis: 100-1.500€ pro Felge (Carbon-Tubular)
Vergleichstabelle:
| Typ |
Gewicht |
Preis |
Montage |
Pannenschutz |
Verbreitung |
| Clincher + Schlauch |
Mittel |
Günstig |
Einfach |
Mittel |
Sehr hoch (80%) |
| Tubeless (hooked) |
Leicht |
Mittel |
Mittel |
Sehr gut |
Hoch (15%) |
| Tubeless (hookless) |
Sehr leicht |
Teuer |
Mittel |
Sehr gut |
Wachsend (3%) |
| Tubular |
Sehr leicht |
Sehr teuer |
Schwierig |
Mittel |
Gering (2%, Profis) |
Material: Aluminium vs. Carbon vs. Stahl
Aluminium-Felgen
Eigenschaften:
- Gewicht: 400-600g pro Felge (mittel)
- Preis: 30-200€ pro Felge
- Haltbarkeit: Sehr gut
- Bremsverhalten: Exzellent (Felgenbremse)
Vorteile:
- Günstig
- Robust und langlebig
- Gutes Bremsverhalten bei Nässe
- Reparierbar (Dellen oft ausschlagbar)
- Große Auswahl
Nachteile:
- Schwerer als Carbon
- Weniger steif (bei sehr leichten Felgen)
- Kann bei Felgenbremsen verschleißen (Bremsflanke)
Einsatz: Alle Fahrradtypen, Einsteiger bis Fortgeschrittene, beste Wahl für die meisten
Beispiele:
- DT Swiss R 460 (450g, ca. 40€)
- Mavic Open Pro (470g, ca. 60€)
- DT Swiss XM 481 (490g, ca. 50€)
Carbon-Felgen
Eigenschaften:
- Gewicht: 300-450g pro Felge (leicht)
- Preis: 200-1.500€ pro Felge
- Haltbarkeit: Gut (aber empfindlich bei Stößen)
- Bremsverhalten: Mittel (Felgenbremse schlechter als Alu, Scheibenbremse kein Problem)
Vorteile:
- Sehr leicht
- Sehr steif (bessere Kraftübertragung)
- Aerodynamisch formbar (bessere Profile möglich)
- Kein Verschleiß bei Scheibenbremsen
Nachteile:
- Teuer
- Empfindlich gegen Stöße (Risse möglich)
- Schlechtes Bremsverhalten bei Felgenbremse (besonders nass)
- Nicht reparierbar bei Schäden
- Überhitzung bei langen Abfahrten mit Felgenbremse
Einsatz: High-End Rennräder, Wettkampf-MTBs, ambitionierte Fahrer
Beispiele:
- Zipp 303 Firecrest (ca. 800-1.200€ Laufradsatz)
- DT Swiss ARC 1100 (ca. 1.500-2.000€ Laufradsatz)
- Lightweight Meilenstein (ca. 3.500€ Laufradsatz)
Stahl-Felgen
Eigenschaften:
- Gewicht: 600-900g pro Felge (schwer)
- Preis: 15-40€ pro Felge
- Haltbarkeit: Extrem hoch
Vorteile:
- Sehr günstig
- Praktisch unzerstörbar
- Für Felgenbremsen ideal
Nachteile:
- Sehr schwer
- Kann rosten
- Veraltet
Einsatz: Nur noch günstige Citybikes, Oldtimer, Lastenräder
Status: Weitgehend von Aluminium verdrängt
Speichenanzahl und Einspeichmuster
Die Anzahl der Speichenlöcher beeinflusst Stabilität, Gewicht und Fahrkomfort.
Gängige Speichenanzahlen:
20-24 Speichen (vorne/hinten):
- Sehr leicht
- Weniger stabil
- Nur für leichte Fahrer und gute Straßen
- Einsatz: Rennrad (Racing), Zeitfahren
28 Speichen:
- Guter Kompromiss Gewicht/Stabilität
- Standard bei modernen Rennrädern
- Einsatz: Rennrad, Gravel (leichte Fahrer)
32 Speichen:
- Klassischer Standard
- Sehr gute Balance
- Robust genug für die meisten Einsätze
- Einsatz: MTB, Trekking, Rennrad (schwere Fahrer)
36 Speichen:
- Sehr stabil
- Etwas schwerer
- Für schwere Lasten oder raues Gelände
- Einsatz: Touring, Lastenrad, Tandem, DH-MTB
Faustregel: Je schwerer der Fahrer oder die Belastung, desto mehr Speichen.
Hersteller und Produktbeispiele
DT Swiss (Schweizer Premium-Hersteller)
Rennrad-Felgen:
- DT Swiss R 460 (Alu, 19mm innen, 450g, ca. 40€)
- DT Swiss PR 1600 (Alu, 22mm innen, 480g, ca. 60€)
- DT Swiss PRC 1100 (Carbon, 21mm innen, 350g, ca. 800€)
MTB-Felgen:
- DT Swiss XM 421 (Alu, 25mm innen, 460g, ca. 45€)
- DT Swiss EX 511 (Alu, 30mm innen, 540g, ca. 80€)
- DT Swiss XMC 1200 (Carbon, 30mm innen, 380g, ca. 600€)
Bewertung: Exzellente Qualität, faire Preise, große Auswahl
Mavic (Französischer Traditionshersteller)
Klassiker:
- Mavic Open Pro (Alu, 19mm innen, 470g, ca. 60€) - Legende seit Jahrzehnten
- Mavic A319 (Alu, 19mm innen, 490g, ca. 50€)
Modern:
- Mavic Cosmic Pro Carbon (Carbon, 45mm hoch, ca. 1.000€ Laufradsatz)
Status: Traditionell stark bei Rennrad, weniger bei MTB
Stan’s NoTubes (Tubeless-Pionier)
MTB:
- Stan’s Flow MK4 (Alu, 30mm innen, 495g, ca. 80€)
- Stan’s Arch MK4 (Alu, 26mm innen, 420g, ca. 65€)
Besonderheit: Pionier bei Tubeless-Technologie
Reserve (Premium MTB-Felgen)
Carbon MTB:
- Reserve 30 (Carbon, 30mm innen, 390g, ca. 600€)
- Reserve 37 (Carbon, 37mm innen, 450g, ca. 650€)
Besonderheit: Lifetime Warranty auf Carbon-Felgen
Zipp (High-End Aero, gehört zu SRAM)
Rennrad Carbon:
- Zipp 303 Firecrest (45mm hoch, ca. 1.200€ Laufradsatz)
- Zipp 404 Firecrest (58mm hoch, ca. 1.600€ Laufradsatz)
- Zipp 808 (82mm hoch, ca. 2.000€ Laufradsatz)
Besonderheit: Aerodynamik-Fokus, sehr teuer
Roval (Specialized-Marke)
MTB/Road:
- Roval Control Carbon (MTB, 29mm innen, ca. 1.200€ Laufradsatz)
- Roval Rapide CLX (Road, 51mm hoch, ca. 2.000€ Laufradsatz)
Wann braucht man eine neue Fahrradfelge?
Verschleißanzeichen:
Bei Felgenbremsen (kritisch):
- Abgenutzte Bremsflanke: Verschleißrillen erkennbar
- Verschleißindikatoren: Kleine Löcher oder Rillen in Bremsflanke (wenn sichtbar: sofort wechseln!)
- Konkave Bremsflanke: Felge nach innen gewölbt
- Rissgefahr: Bei zu starkem Verschleiß kann Felge platzen!
Prüfung: Mit Messschieber Bremsflanke messen oder Verschleißindikator prüfen
Bei Scheibenbremsen:
- Kein Bremsflanken-Verschleiß (größter Vorteil!)
- Felge hält meist 10.000-20.000 km oder mehr
Allgemeine Schäden:
- Risse in der Felge: Besonders bei Aluminiumfelgen (Materialermüdung), sofort wechseln!
- Starker Achter: Rad lässt sich nicht mehr zentrieren
- Dellen: Felge eingedrückt nach Sturz oder Schlag
- Speichenausrisse: Löcher ausgefranst (Felge zu schwach)
- Verbogene Felge: Nach schwerem Sturz
Lebensdauer:
- Alu-Felge mit Felgenbremse: 3.000-8.000 km (abhängig von Bremsung)
- Alu-Felge mit Scheibenbremse: 10.000-30.000 km
- Carbon-Felge mit Scheibenbremse: 10.000-50.000 km (bei guter Pflege)
Felge zentrieren: Grundlagen
Wann zentrieren:
- Kleiner Achter (Rad schlägt seitlich aus)
- Nach Speichenbruch
- Nach leichtem Sturz
Werkzeug:
- Zentrierständer (30-200€) oder umgedrehtes Bike
- Speichenschlüssel (5-15€)
Grundprinzip:
- Rad im Zentrierständer einspannen (oder Bike umdrehen)
- Achter lokalisieren (wo schlägt Rad aus?)
- Speichen auf der Seite des Ausschlags lockern
- Speichen auf Gegenseite anziehen
- In kleinen Schritten (Viertel-Drehungen) arbeiten
- Regelmäßig Speichenspannung prüfen
Zeitaufwand: 30-60 Min (Anfänger), 15 Min (Profi)
Werkstatt-Kosten: 15-30€
Wichtig: Bei starkem Achter (über 3mm) oder Höhenschlag lieber Werkstatt aufsuchen!
Was kostet eine Fahrradfelge?
Preiskategorien:
Budget Alu-Felgen (20-50€):
- Einfache Citybike/Trekking-Felgen
- Gewicht: 500-650g
- 32-36 Speichenlöcher
- Robust aber schwer
- Beispiel: Alexrims, Ryde
Mittelklasse Alu-Felgen (50-150€):
- Gute Rennrad/MTB-Felgen
- Gewicht: 400-550g
- 28-32 Speichenlöcher
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Beispiel: DT Swiss R 460, Mavic Open Pro, Stan’s Arch
High-End Alu-Felgen (150-300€):
- Premium Alu-Felgen
- Gewicht: 350-450g
- Sehr robust und leicht zugleich
- Beispiel: DT Swiss XRC 1200, Mavic XA Pro
Carbon-Felgen Einsteiger (200-500€):
- Einfache Carbon-Felgen (oft China-Import)
- Gewicht: 350-450g
- Qualität variabel
- Nur für Scheibenbremse empfohlen
Carbon-Felgen Mittelklasse (500-1.000€):
- Gute Markenhersteller
- Gewicht: 320-400g
- Beispiel: DT Swiss ARC, Stan’s Grail
Carbon-Felgen High-End (1.000-2.000€):
- Premium-Hersteller
- Gewicht: 280-350g
- Perfekte Verarbeitung
- Beispiel: Zipp, Lightweight, ENVE
Komplett-Laufradsätze:
- Budget: 150-400€ (Alu)
- Mittelklasse: 400-1.000€ (Alu Premium)
- High-End: 1.000-3.500€ (Carbon)
Zusätzliche Kosten:
- Einspeichen: 50-100€ pro Laufrad (Werkstatt)
- Zentrieren: 15-30€ pro Laufrad
- Felgenband: 5-15€
- Tubeless-Setup: 20-40€ (Dichtmilch, Ventile, Felgenband)
Kaufberatung: Welche Felge für welchen Einsatz?
Rennrad
Empfehlung: Alu oder Carbon, 21-25mm Maulweite, Tubeless oder Clincher
Budget (40-80€):
- DT Swiss R 460 (Alu, 19mm, 450g)
- Mavic A319 (Alu, 19mm, 490g)
Mittelklasse (80-200€):
- DT Swiss PR 1600 (Alu, 22mm, 480g)
- Mavic Open Pro (Alu, 19mm, 470g)
High-End (500€+):
- DT Swiss PRC 1100 (Carbon, 21mm, 350g)
- Zipp 303 Firecrest (Carbon, 45mm, ca. 1.200€ Laufradsatz)
Mountainbike XC/Trail
Empfehlung: Alu oder Carbon, 25-30mm Maulweite, Tubeless
Budget (45-80€):
- DT Swiss XM 421 (Alu, 25mm, 460g)
- Stan’s Arch MK4 (Alu, 26mm, 420g)
Mittelklasse (80-200€):
- DT Swiss XM 1700 (Alu, 25mm, 470g)
- Stan’s Flow MK4 (Alu, 30mm, 495g)
High-End (400€+):
- DT Swiss XMC 1200 (Carbon, 30mm, 380g)
- Reserve 30 (Carbon, 30mm, 390g)
Mountainbike Enduro/DH
Empfehlung: Alu robust, 30-35mm Maulweite, Tubeless
Budget (60-100€):
- DT Swiss EX 471 (Alu, 30mm, 560g)
Mittelklasse (100-250€):
- DT Swiss EX 511 (Alu, 30mm, 540g)
- Stan’s Flow MK4 (Alu, 30mm, 495g)
High-End (500€+):
- Reserve 37 (Carbon, 37mm, 450g)
- DT Swiss EX 1700 (Alu, 30mm, 520g)
Gravelbike
Empfehlung: Alu oder Carbon, 21-27mm Maulweite, Tubeless
Mittelklasse (60-150€):
- DT Swiss GR 1600 (Alu, 27mm, 500g)
High-End (500€+):
- DT Swiss GRC 1100 (Carbon, 24mm, ca. 1.400€ Laufradsatz)
Citybike/Trekking
Empfehlung: Alu robust, 19-21mm, 32-36 Speichen
Budget (25-50€):
- Ryde Sputnik (Alu, 19mm, 550g)
- Alexrims (Alu, 19mm, 580g)
Mittelklasse (50-100€):
- DT Swiss R 535 (Alu, 20mm, 510g)
Häufige Fragen zur Fahrradfelge
Was bedeutet ETRTO bei Felgen?
ETRTO (European Tire and Rim Technical Organization) ist der Standard zur exakten Größenangabe. Die Zahl gibt den Felgendurchmesser in Millimetern an: 622mm entspricht 28"/29"/700C, 584mm entspricht 27,5"/650B, 559mm entspricht 26 Zoll. Die ETRTO-Zahl findest du auf der Reifenflanke, z.B. “37-622”.
Was ist die Maulweite einer Felge?
Die Maulweite ist die innere Felgenbreite (zwischen den Felgenhörnern) in Millimetern. Sie bestimmt, welche Reifen optimal passen. Moderne Rennräder haben 19-25mm Maulweite, MTBs 25-40mm. Faustregel: Reifenbreite sollte 1,4x bis 2,2x der Maulweite entsprechen. Breitere Felgen ermöglichen breitere Reifen mit besserem Komfort und Grip.
Aluminium oder Carbon-Felge: Was ist besser?
Für die meisten Fahrer ist Aluminium besser: günstiger (40-200€ vs 500-2.000€), robuster, reparierbar, gutes Bremsverhalten. Carbon lohnt sich nur für ambitionierte Fahrer die Leichtbau wollen und bereit sind 5-10x mehr zu zahlen. Bei Scheibenbremsen ist Carbon sinnvoller als bei Felgenbremsen (schlechtes Bremsverhalten bei Nässe).
Was ist der Unterschied zwischen Tubeless und Clincher?
Clincher (Drahtreifen) funktioniert mit Schlauch oder tubeless, hat Hakenkante für Reifenwulst. Tubeless ist schlauchlos mit Dichtmilch, braucht luftdichte Felge. Vorteile Tubeless: leichter, besserer Pannenschutz, niedrigerer Reifendruck möglich (mehr Grip). Nachteil: komplexere Montage, Dichtmilch muss alle 3-6 Monate erneuert werden.
Wie erkenne ich, ob meine Felge verschlissen ist?
Bei Felgenbremsen: Prüfe Bremsflanke auf Verschleißrillen oder Verschleißindikatoren (kleine Löcher). Wenn sichtbar: sofort wechseln! Miss mit Messschieber die Bremsflanke. Bei Scheibenbremsen: Kein Bremsflanken-Verschleiß. Allgemein: Risse in Felge (sofort wechseln!), starker Achter der nicht zentrierbar ist, Dellen nach Sturz.
Welche Felgenbreite brauche ich für MTB?
Für XC/Marathon: 25-28mm Maulweite (passend für 2.0-2.3" Reifen). Für Trail/All-Mountain: 28-32mm (passend für 2.2-2.5" Reifen). Für Enduro/DH: 30-35mm (passend für 2.4-2.8" Reifen). Breitere Felgen geben dem Reifen bessere Form, mehr Volumen und besseren Grip, sind aber etwas schwerer.
Was kostet eine neue Fahrradfelge?
Budget Alu-Felgen: 20-50€, Mittelklasse Alu: 50-150€, High-End Alu: 150-300€, Carbon Einsteiger: 200-500€, Carbon High-End: 1.000-2.000€. Dazu kommen Kosten fürs Einspeichen (50-100€ pro Laufrad Werkstatt). Komplett-Laufradsätze: Budget 150-400€, Mittelklasse 400-1.000€, High-End 1.000-3.500€.
Was ist eine Hookless-Felge?
Hookless-Felgen haben keine Hakenkante, der Felgenrand ist glatt. Nur für Tubeless geeignet (kein Schlauch möglich!). Vorteile: einfachere Fertigung, stabiler, bessere Dichtung, leichter. Nachteile: nur mit hookless-kompatiblen Reifen, maximaler Druck begrenzt (meist 5 bar), noch nicht voll etabliert. Wichtig: Nur mit passenden Reifen verwenden!
Kann ich meine Felge selbst wechseln?
Ja, aber aufwendig. Du brauchst: neue Felge, Speichen (oft neue nötig), Speichenschlüssel, Zentrierständer, 2-4 Stunden Zeit. Schritte: Alte Speichen lösen, neue Speichen einziehen, Rad zentrieren und Speichenspannung ausgleichen. Für Anfänger schwierig. Werkstatt-Kosten: 50-100€ Arbeit. Lohnt sich selbst zu machen nur bei regelmäßigem Bedarf.
Wie viele Speichen sollte meine Felge haben?
Für leichte Fahrer (unter 75kg) und Rennrad: 24-28 Speichen. Für durchschnittliche Fahrer und Allround: 28-32 Speichen (bester Kompromiss). Für schwere Fahrer (über 85kg), Touring oder Lastenräder: 32-36 Speichen. Mehr Speichen = stabiler, aber etwas schwerer. 32 Speichen sind der klassische Standard für die meisten Einsätze.
Wann brauche ich breite Felgen?
Breite Felgen (25mm+ Maulweite) lohnen sich für: MTB (besserer Reifenhalt, mehr Volumen), Gravelbikes (breite Reifen 40mm+), komfortorientierte Rennräder (moderne Aero-Räder haben oft 21-25mm). Vorteile: Reifen bekommt bessere Form, mehr Luftvolumen möglich, besserer Grip. Nachteil: etwas schwerer. Trend geht klar zu breiteren Felgen.
28 Zoll oder 29 Zoll: Ist das dasselbe?
Ja! Beide nutzen 622mm ETRTO-Felgen. Der Unterschied liegt nur in der Reifenbreite und Bezeichnung: 28 Zoll = schmale Reifen (Rennrad, Trekking), 29 Zoll = breite Reifen (MTB). Die Felge ist identisch. Auch 700C (Rennrad) ist 622mm. Du kannst also theoretisch MTB-Reifen auf Rennradfelgen montieren (wenn Rahmen Platz bietet).