Die Federhärte beschreibt den Widerstand, den eine Feder einer Belastung entgegensetzt. Sie gibt an, wie viel Kraft notwendig ist, um die Feder um eine bestimmte Länge zu stauchen oder zu dehnen. Angegeben wird die Federhärte meist in Newton pro Millimeter (N/mm) oder in der angloamerikanischen Einheit Pound per Inch (lbs/in). Am Fahrrad spielt sie eine zentrale Rolle für Komfort und Sicherheit, insbesondere bei Federgabeln, Hinterbauten oder gefederten Sattelstützen. Die Federhärte Mountainbike ist dabei der wichtigste Faktor für optimale Performance im Gelände.
Die Federhärte funktioniert bei Luftfedern und Stahlfedern grundlegend unterschiedlich:
Stahlfeder (Coil):
Luftfeder:
Die meisten modernen MTBs nutzen Luftfedern, weil sie leichter und flexibler einstellbar sind. Downhiller und Freerider bevorzugen oft Stahlfedern wegen der linearen, vorhersehbaren Charakteristik.
Wer die Federhärte berechnen möchte, kann dafür eine einfache physikalische Formel nutzen. Die Federhärte Formel lautet:
F = k × s
Beispiel: Wirken 600 Newton auf eine Feder und diese staucht sich dabei 30 Millimeter, ergibt sich: k = F / s = 600N / 30mm = 20 N/mm
Umrechnung lbs/in in N/mm: Die meisten MTB-Federn werden in lbs/in angegeben. Die Umrechnung lautet:
Beispiel: Eine 500 lbs/in Feder entspricht etwa 87,5 N/mm
Die richtige Federhärte Tabelle für Stahlfedern bei typischen MTB-Dämpfern (z.B. Fox DHX, Rockshox Super Deluxe Coil):
| Fahrergewicht (kg) | Empfohlene Federhärte (lbs/in) | Federfarbe (je nach Hersteller) | Einsatzbereich |
|---|---|---|---|
| 50 bis 60 | 350 bis 400 | Oft Gelb/Grün | XC, leichte Fahrer |
| 60 bis 70 | 400 bis 450 | Oft Grün/Blau | Trail, leichte bis mittlere Fahrer |
| 70 bis 80 | 450 bis 500 | Oft Blau/Rot | Trail/Enduro, mittlere Fahrer |
| 80 bis 90 | 500 bis 550 | Oft Rot/Orange | Enduro, schwere Fahrer |
| 90 bis 100 | 550 bis 600 | Oft Orange/Lila | Enduro/Freeride, schwere Fahrer |
| 100+ | 600 bis 650+ | Oft Lila/Schwarz | Freeride/DH, sehr schwere Fahrer |
Wichtig: Diese Werte sind Richtwerte. Der optimale Wert hängt auch von Übersetzungsverhältnis, Federweg und Fahrstil ab. Aggressive Fahrer wählen oft 50 lbs/in mehr.
Beispiel: Ein 75kg Fahrer auf einem Enduro-Bike mit 160mm Federweg wählt typischerweise eine 475 bis 500 lbs/in Feder.
Für Luftfedern wird statt Federhärte der Luftdruck (PSI) eingestellt:
| Fahrergewicht (kg) | Luftdruck Federgabel (PSI) | Luftdruck Dämpfer (PSI) | Ziel-Sag |
|---|---|---|---|
| 50 bis 60 | 50 bis 65 | 120 bis 150 | 25 bis 30% |
| 60 bis 70 | 60 bis 75 | 140 bis 170 | 25 bis 30% |
| 70 bis 80 | 70 bis 85 | 160 bis 190 | 25 bis 30% |
| 80 bis 90 | 80 bis 95 | 180 bis 210 | 25 bis 30% |
| 90 bis 100 | 90 bis 105 | 200 bis 230 | 25 bis 30% |
| 100+ | 100 bis 120 | 220 bis 260 | 25 bis 30% |
Diese Werte sind Startwerte. Die finale Einstellung erfolgt über die Sag-Messung (siehe unten).
Der Sag ist der wichtigste praktische Parameter zur Beurteilung der Federhärte. Er beschreibt, wie weit die Federung einsackt, wenn du auf dem Bike sitzt.
Optimale Sag-Werte:
So misst du den Sag:
Berechnung: Sag (%) = (Einfederung in mm / Gesamtfederweg in mm) × 100
Beispiel bei 160mm Federweg:
Anpassung:
Lösung: Luftdruck erhöhen oder härtere Stahlfeder einbauen
Lösung: Luftdruck reduzieren oder weichere Stahlfeder einbauen
Eine zu weiche Federhärte führt dazu, dass die Federung schnell an ihre Grenzen kommt und durchschlägt. Das beeinträchtigt die Kontrolle, vor allem im Gelände. Ist die Federhärte zu hoch, spricht die Federung kaum an, wodurch das Fahrgefühl hart und unkomfortabel wird. Die richtige Abstimmung hängt vom Fahrergewicht, dem Einsatzzweck und der Geometrie des Fahrrads ab.
Die Federhärte Mountainbike beeinflusst:
Lineare Federung (Stahlfeder):
Progressive Federung (Luftfeder):
Beispiel:
Die meisten Fahrer bevorzugen heute leicht progressive Federkennlinien für bestes Ansprechen bei gleichzeitigem Durchschlagschutz.
Schritt 1: Aktuellen Sag messen Schritt 2: Mit Zielsag vergleichen Schritt 3: Luftdruck anpassen
Zusätzlich: Tokens/Spacer zur Progressionsänderung
Schritt 1: Aktuellen Sag messen Schritt 2: Federhärte berechnen, die nötig wäre Schritt 3: Neue Feder kaufen (oft 50 lbs/in Abstufungen) Schritt 4: Feder tauschen (Fachwerkstatt empfohlen) Schritt 5: Sag erneut prüfen
Kosten Federtausch:
Die richtige Federhärte sorgt für optimalen Federweg, gute Traktion und mehr Kontrolle. Beim Mountainbike ist sie entscheidend, um Sprünge sicher zu landen oder Wurzeln und Steine zu meistern. Bei City- oder Trekkingrädern trägt sie zu einem geschmeidigen Fahrgefühl bei.
Eine korrekt eingestellte Federhärte verlängert die Lebensdauer der Komponenten und macht das Fahren deutlich angenehmer. Regelmäßige Kontrolle und Anpassung an veränderte Bedingungen (Gewicht, Ausrüstung, Fahrstil) sind entscheidend.
Bei Luftfedern stellst du über den Sag ein: 25 bis 30% Einfederung sind ideal für Trail-Nutzung. Bei Stahlfedern nutzt du eine Tabelle: Bei 75kg Körpergewicht wählst du typischerweise 475 bis 500 lbs/in für Enduro-Bikes. Der Sag ist dabei der wichtigste Indikator.
lbs/in steht für “Pounds per Inch” und ist die angloamerikanische Einheit für Federhärte. Eine 500 lbs/in Feder benötigt 500 Pfund Kraft, um sich um 1 Inch (2,54cm) zu komprimieren. Die Umrechnung: 1 lbs/in entspricht etwa 0,175 N/mm.
Du stellst den Luftdruck mit einer Dämpferpumpe ein. Miss zunächst den Sag (Einfederung beim Draufsitzen). Ist der Sag zu gering (unter 20%), reduziere den Druck um 5 bis 10 PSI. Ist der Sag zu hoch (über 35%), erhöhe den Druck. Ziel sind 25 bis 30% Sag für Trail-Nutzung.
Federhärte beschreibt den grundsätzlichen Widerstand der Feder (in lbs/in oder N/mm). Vorspannung (Preload) ist eine mechanische Vorbelastung der Feder, die den Sag verändert, aber nicht die Federhärte selbst. Vorspannung sollte nur minimal genutzt werden, besser ist die Wahl der richtigen Federhärte.
Bei 80kg Körpergewicht empfiehlt sich für Trail-MTBs eine Stahlfeder mit 500 bis 525 lbs/in oder bei Luftfedern ein Startdruck von etwa 85 bis 95 PSI (Gabel) bzw. 180 bis 200 PSI (Dämpfer). Die finale Einstellung erfolgt über die Sag-Messung mit Ziel 25 bis 30%.
Für die meisten Fahrer ist eine leicht progressive Federung (Luftfeder) besser, weil sie sensibles Ansprechen mit gutem Durchschlagschutz kombiniert. Lineare Federung (Stahlfeder) bevorzugen Downhiller und Freerider wegen der konstanten, vorhersehbaren Charakteristik über den gesamten Federweg.
Anzeichen für zu weiche Federhärte: Sag über 35%, häufiges Durchschlagen bei normalen Schlägen, schwammiges Fahrgefühl, Federung nutzt ständig den kompletten Federweg. Lösung: Luftdruck erhöhen oder härtere Stahlfeder einbauen.
Bei Luftfedern jederzeit durch Änderung des Luftdrucks möglich. Bei Stahlfedern musst du die komplette Feder tauschen (Kosten ca. 60 bis 150€ plus Einbau). Stahlfedern gibt es meist in 50 lbs/in Abstufungen, z.B. 450, 500, 550 lbs/in.
Stahlfedern (Coil) für MTB-Dämpfer kosten je nach Hersteller zwischen 60€ (No-Name) und 150€ (Fox, Rockshox). Hochwertige Titanfedern können 200 bis 300€ kosten, sind aber deutlich leichter. Der Einbau in der Werkstatt kostet zusätzlich 30 bis 60€.
Prüfe den Sag mindestens alle 3 Monate oder nach größeren Gewichtsveränderungen (mehr als 3kg). Bei Luftfedern kontrolliere auch den Luftdruck regelmäßig, da dieser sich über Zeit durch Diffusion leicht verringert. Nach jedem Service oder Setup-Änderung ebenfalls prüfen.