Eine Kartusche ist ein unverzichtbares Zubehör für viele Fahrradfahrer, insbesondere für diejenigen, die längere Strecken zurücklegen oder an Wettkämpfen teilnehmen. Im Kontext des Radsports bezieht sich der Begriff “Kartusche Fahrrad” in der Regel auf kleine, tragbare Behälter, die komprimiertes Gas enthalten. Diese Kartuschen dienen dem Zweck, Fahrradreifen schnell mit Luft zu befüllen.
Die CO2 Kartusche Fahrrad ist besonders beliebt unter Radsportlern. Diese kleinen, leichten Behälter enthalten komprimiertes Kohlendioxid (CO2) unter einem Druck von etwa 50 bis 60 bar und ermöglichen eine rasche Reifenbefüllung im Falle einer Reifenpanne unterwegs. Im Gegensatz zu herkömmlichen Handpumpen, die oft mühsam und zeitaufwendig sind (50 bis 100 Pumpstöße für einen Rennradreifen), kann eine CO2-Kartusche einen Reifen innerhalb von 5 bis 15 Sekunden aufpumpen. Dies ist besonders vorteilhaft bei Rennen oder wenn man bei schlechtem Wetter schnell wieder auf die Straße möchte.
Kartuschen für Fahrräder gibt es in verschiedenen Größen und Ausführungen. Die Größe der Kartusche bestimmt, wie viel Luft sie in den Reifen bringen kann und für welche Reifentypen sie geeignet ist.
Die gängigsten CO2-Kartuschen fassen 16, 20 oder 25 Gramm Gas. Eine 16-Gramm-Kartusche reicht typischerweise für einen Rennradreifen (23-28 mm Breite) auf etwa 6 bis 8 bar Druck. Eine 20-Gramm-Kartusche eignet sich für breitere Reifen wie bei Gravel-Bikes oder Crossbikes (32-40 mm) und erreicht 3 bis 5 bar. Die 25-Gramm-Variante ist ideal für Mountainbike-Reifen (29 Zoll oder Plus-Reifen) und bringt diese auf 2 bis 3 bar.
Wichtig zu wissen: Eine Kartusche reicht in der Regel für genau eine Befüllung. Danach ist sie leer und muss entsorgt werden. Deshalb solltest du bei längeren Touren immer 2 bis 3 Kartuschen dabei haben, falls mehrere Pannen auftreten.
| Kartuschentyp | Typische Verwendung | Füllmenge | Erreichte Drücke | Kosten pro Stück |
|---|---|---|---|---|
| Klein (16g) | Rennrad, schmale Reifen (23-28mm) | 16g | 6-8 bar | 1-2€ |
| Mittel (20g) | Trekking, Gravel, Crossbike (32-40mm) | 20g | 3-5 bar | 1,50-2,50€ |
| Groß (25g) | MTB, 29er, Plus-Reifen (2,0-2,6") | 25g | 2-3 bar | 2-3€ |
Es ist wichtig zu beachten, dass für die Verwendung einer CO2 Kartusche Fahrrad ein spezieller Adapter benötigt wird, der die kontrollierte Freisetzung des Gases in den Reifen ermöglicht. Ohne Adapter ist die Kartusche nutzlos.
Gewinde-Standards bei Kartuschen: Die meisten CO2-Kartuschen haben ein standardisiertes Gewinde nach dem 5/8"-18 UNF Standard. Dieses Gewinde ist bei praktisch allen Herstellern identisch, was bedeutet, dass Adapter und Kartuschen verschiedener Marken meist kompatibel sind.
Adapter-Typen:
Gewindekopf-Adapter: Der häufigste Typ. Die Kartusche wird auf den Adapter geschraubt, dann wird der Adapter auf das Ventil gesetzt. Durch Aufschrauben oder Drücken eines Hebels wird das Gas freigegeben. Vorteile: Präzise Dosierung möglich, wiederverwendbar. Nachteil: Etwas schwerer (20-40 Gramm). Kosten: 10-25 Euro.
Push-On-Adapter: Die Kartusche wird aufgeschraubt, der Adapter wird auf das Ventil gedrückt, Gas strömt sofort. Vorteile: Sehr leicht (5-15 Gramm), schnell. Nachteil: Keine Dosierung, Gas strömt komplett aus. Kosten: 8-15 Euro.
Patronenkopf mit Trigger: Komfortabelste Variante mit Hebel zur Kontrolle der Gasmenge. Die Kartusche wird eingeschraubt, der Kopf aufs Ventil gesetzt, mit dem Hebel dosiert man die Luftmenge. Vorteile: Beste Kontrolle, kein Kälteschock. Nachteil: Teurer, etwas schwerer (30-50 Gramm). Kosten: 20-40 Euro.
Ventil-Kompatibilität: Die meisten Adapter passen sowohl auf Presta-Ventile (französisches Ventil, schmal) als auch auf Schrader-Ventile (Autoventil, breit), oft über einen austauschbaren Einsatz oder einen Universal-Kopf.
Die Verwendung einer CO2-Kartusche ist einfach, erfordert aber etwas Übung für optimale Ergebnisse.
Vorbereitung: Finde und behebe die Ursache der Panne (Dorn entfernen, Schlauch flicken oder tauschen). Setze das Laufrad wieder ein.
Kartusche und Adapter vorbereiten: Schraube die Kartusche auf den Adapter (noch nicht aktivieren). Bei manchen Adaptern musst du erst die Kartusche durchstechen, indem du sie ganz aufschraubst.
Adapter auf Ventil setzen: Öffne das Ventil (bei Presta die kleine Mutter lösen). Setze den Adapter fest auf das Ventil und halte ihn gerade.
Gas freigeben: Je nach Adapter-Typ entweder Hebel drücken oder Kartusche weiter aufschrauben. Das Gas strömt nun in den Reifen. Bei Triggerkopf-Adaptern kannst du dosieren, bei einfachen Adaptern strömt alles auf einmal.
Adapter entfernen: Sobald die Kartusche leer ist (kein Zischen mehr), schraube den Adapter ab. Achtung: Die Kartusche ist jetzt sehr kalt (bis zu minus 40 Grad Celsius)! Verwende ein Tuch oder warte kurz.
Druck prüfen: Taste den Reifen ab. Bei zu wenig Druck eine zweite Kartusche verwenden. Bei zu viel Druck etwas Luft ablassen (bei Presta-Ventil Mutter öffnen und kurz drücken).
Vorteile von CO2-Kartuschen:
Geschwindigkeit: Ein Reifen ist in 5 bis 15 Sekunden aufgepumpt, verglichen mit 2 bis 5 Minuten bei einer Handpumpe. Bei Rennen oder Gruppenfahrten entscheidend.
Kompaktheit und Gewicht: Eine 16g-Kartusche wiegt nur 16 Gramm (plus 8-30 Gramm für den Adapter), eine Minipumpe wiegt 80 bis 150 Gramm. Zwei Kartuschen plus Adapter passen in jede Satteltasche.
Weniger Kraftaufwand: Kein anstrengendes Pumpen nötig, besonders vorteilhaft nach anstrengenden Anstiegen oder bei erschöpften Fahrern.
Nachteile von CO2-Kartuschen:
Einweg-Nutzung: Jede Kartusche kann nur einmal verwendet werden. Bei mehreren Pannen brauchst du mehrere Kartuschen. Kosten: 1-3 Euro pro Panne.
CO2 entweicht schneller: Kohlendioxid-Moleküle sind kleiner als Sauerstoff/Stickstoff-Moleküle in normaler Luft und entweichen daher schneller durch den Schlauch. Nach 24 bis 48 Stunden kann der Druck um 30 bis 50 Prozent gesunken sein. Lösung: Zuhause Luft ablassen und mit normaler Luft neu aufpumpen.
Kälterisiko: Die schnelle Expansion des Gases kühlt die Kartusche stark ab (minus 30 bis minus 40 Grad Celsius). Ohne Schutz (Handschuh, Tuch) sind Erfrierungen an den Fingern möglich.
Umwelt: Einweg-Kartuschen erzeugen Müll. Zwar sind sie recyclebar (Stahl oder Aluminium), aber der ökologische Fußabdruck ist größer als bei einer wiederverwendbaren Pumpe.
Kosten: Langfristig teurer als eine Pumpe. 20 Pannen = 20-60 Euro für Kartuschen, eine gute Minipumpe kostet einmalig 20-40 Euro.
Bei der Verwendung von Kartuschen, insbesondere CO2-Kartuschen, ist Vorsicht geboten. Das schnell ausströmende Gas kann sehr kalt werden und bei unsachgemäßer Handhabung zu Erfrierungen führen. Berühre die Kartusche während und kurz nach der Verwendung nicht mit bloßen Händen. Verwende ein Tuch, einen Handschuh oder warte 30 bis 60 Sekunden, bis sie sich erwärmt hat.
Zudem sollte man beachten, dass CO2 mit der Zeit aus dem Reifen entweicht, weshalb nach der Verwendung einer CO2 Kartusche Fahrrad der Reifendruck innerhalb von 24 bis 48 Stunden mit normaler Luft überprüft und gegebenenfalls angepasst werden sollte. Fahre nicht tagelang mit CO2-befüllten Reifen, ohne den Druck zu kontrollieren.
Weitere Sicherheitstipps: Lagere Kartuschen nicht über 50 Grad Celsius (nicht im heißen Auto lassen). Durchsteche oder erhitze leere Kartuschen nicht. Verwende keine beschädigten oder verrosteten Kartuschen.
Für umweltbewusste Fahrer gibt es auch wiederverwendbare CO2-Systeme, bei denen eine größere Flasche (z.B. 120 Gramm) mehrere Befüllungen ermöglicht. Diese Systeme sind teurer in der Anschaffung (50-100 Euro), aber langfristig günstiger und umweltfreundlicher. Sie sind allerdings schwerer und sperriger als Einweg-Kartuschen.
Eine weitere Option ist die Kombination: Eine kleine Handpumpe für den Notfall dabei haben und Kartuschen für schnelle Pannen bei Rennen oder Zeitdruck. Viele ambitionierte Fahrer nutzen diese Hybrid-Strategie.
Wie viele Kartuschen sollte ich mitnehmen? Für normale Touren: 2 Kartuschen (eine pro Panne, Reserve für zweite Panne). Für lange Touren oder Bikepacking: 3-4 Kartuschen plus kleine Pumpe als Backup. Für Rennen: 1-2 Kartuschen (bei Wettkämpfen meist Begleitfahrzeug mit Ersatzlaufrädern). Tipp: Kartuschen sind leicht (16-25g), also lieber eine mehr einpacken.
Kann ich CO2-Kartuschen im Flugzeug mitnehmen? Nein, nicht im Handgepäck. CO2-Kartuschen gelten als Druckgasbehälter und sind in Flugzeugen verboten (Handgepäck und aufgegebenes Gepäck). Ausnahme: Manche Airlines erlauben maximal 2 kleine Kartuschen (bis 50g CO2) im aufgegebenen Gepäck, aber nicht zuverlässig. Besser: Am Zielort kaufen oder auf Pumpe umsteigen für Flugreisen.
Passt jede Kartusche auf jeden Adapter? Fast immer ja. Der 5/8"-18 UNF Gewinde-Standard ist bei 95% aller CO2-Kartuschen und Adapter gleich (Shimano, Lezyne, Genuine Innovations, PRO, etc.). Ausnahmen gibt es bei sehr alten oder exotischen Systemen. Beim Kauf auf “Standard-Gewinde” oder “5/8” achten. Tipp: Adapter und Kartuschen vom gleichen Hersteller sind immer kompatibel.
Warum entweicht CO2 schneller als normale Luft? CO2-Moleküle (44 u molekulare Masse) sind kleiner als N2-Moleküle (28 u) in normaler Luft und diffundieren daher schneller durch den Gummi des Schlauchs. Nach 24h kann 30-50% des Drucks verloren sein, nach 48h bis zu 70%. Lösung: Innerhalb von 1-2 Tagen Luft ablassen und mit Pumpe neu aufpumpen. Bei Tubeless-Reifen geht CO2 noch schneller verloren (Dichtmilch kann reagieren).
Sind CO2-Kartuschen umweltschädlich? Mittel. Pro: Kartuschen sind recyclebar (Aluminium oder Stahl). Contra: Einweg-Produkt, Herstellung energieintensiv, CO2-Freisetzung (minimal, 16-25g). Vergleich: Eine Autofahrt von 1 km setzt etwa 120g CO2 frei, eine Kartusche 16-25g. Umweltfreundlicher: Wiederverwendbare Pumpe (einmalige Produktion) oder wiederverwendbare CO2-Systeme (120g-Flaschen mit Nachfüll-Option).
Wie lagere ich Kartuschen richtig? Kühl und trocken, unter 50°C. Nicht in direktem Sonnenlicht oder im heißen Auto (Temperaturen über 50°C können Druck erhöhen). Nicht in der Nähe von Flammen. Unbenutzte Kartuschen halten praktisch unbegrenzt (10+ Jahre), solange sie nicht rosten oder beschädigt sind. Kontrolliere vor Gebrauch auf Rost, Dellen oder Beschädigungen. Beschädigte Kartuschen nicht verwenden.
Kann ich mit CO2-Kartuschen Tubeless-Reifen befüllen? Ja, aber mit Einschränkungen. CO2 funktioniert bei Tubeless, aber die Dichtmilch kann durch das kalte CO2 gerinnen oder ihre Wirksamkeit verlieren. Manche Dichtmilch-Hersteller warnen sogar davor. Wenn möglich, Tubeless mit normaler Luft befüllen. In Notfällen (Panne unterwegs): CO2 verwenden, aber baldmöglichst ablassen und mit Pumpe neu befüllen. Bei Tubeless-Pannen besser: Tubeless-Reparatur-Kit + Pumpe.
Diese kompakten Helfer sind als Notfall-Luftversorgung für Reifenpannen aus dem Gepäck vieler Radsportler nicht mehr wegzudenken. Für optimale Nutzung beachte folgende Tipps: Übe den Umgang mit Kartuschen zuhause, bevor du sie unterwegs brauchst (eine günstige Kartusche zum Üben opfern). Trage immer eine kleine Handpumpe als Backup, falls du mehr Pannen hast als Kartuschen. Kaufe Kartuschen im Mehrfachpack (10er oder 20er Packungen), das ist günstiger (0,80-1,50 Euro pro Stück statt 2-3 Euro einzeln). Prüfe die Kompatibilität deines Adapters mit deinem Ventiltyp vor der ersten Tour.
Mit der richtigen Vorbereitung und etwas Übung sind CO2-Kartuschen ein zuverlässiger, schneller Helfer bei Reifenpannen unterwegs.