Bei der Luftfederung übernimmt Luft die Aufgabe, deine Federgabel oder deinen Dämpfer zu dämpfen und Stöße zu absorbieren. Du kannst die sogenannte Federrate, also den Widerstand der Federung, mit einer Hochdruckpumpe (Shock Pump) schnell und einfach anpassen. Dieses System ermöglicht dir eine außerordentliche Flexibilität, da du die Federung auf dein Gewicht, deinen Fahrstil oder deinen bevorzugten Untergrund abstimmen kannst.
Die einstellbare Luftfederung sorgt dafür, dass dein Bike stets optimal performt, ganz gleich, ob du technische Trails fahren oder längere Abfahrten in Angriff nehmen möchtest.
Typische Werte:
Eine Luftfederung besteht aus zwei Hauptkammern:
Positiv-Luftkammer: Enthält die Hauptluft, die als Feder arbeitet. Je mehr Druck (PSI), desto härter die Federung.
Negativ-Luftkammer: Erzeugt eine Gegenkraft, die die Gabel zurück in die Ausgangsposition zieht und das Ansprechverhalten verbessert. Bei vielen Gabeln wird die Negativ-Kammer automatisch über ein Ventil gefüllt, sobald du die Gabel das erste Mal einfederst.
Progression: Luft komprimiert progressiv - je weiter eingefedert, desto härter wird die Federung. Das schützt vor Durchschlagen (Bottom-Out) bei großen Schlägen.
Das Justieren der Luftfederung ist denkbar einfach. Mit einer speziellen Hochdruckpumpe (Shock Pump, ca. 20-60 Euro) kannst du den Luftdruck in der Federgabel oder im Dämpfer erhöhen oder reduzieren:
Mehr Luftdruck (z.B. von 90 auf 100 PSI): Erhöht die Federrate und macht die Federung härter. Ideal für schwere Fahrer (90+ kg) oder technische Trails mit großen Stößen. Weniger SAG, mehr Durchschlagschutz.
Weniger Luftdruck (z.B. von 100 auf 90 PSI): Senkt die Federrate und macht die Federung weicher. Das bietet mehr Komfort auf unebenem Untergrund oder bei leichteren Fahrern (60-75 kg). Mehr SAG, besseres Ansprechverhalten.
Anpassung in kleinen Schritten: Immer in 5-10 PSI-Schritten einstellen und testen. Große Sprünge (20+ PSI) führen zu dramatischen Veränderungen.
Dieser unkomplizierte Prozess ermöglicht es dir, dein Bike innerhalb weniger Minuten optimal einzustellen, ohne mechanische Teile zu wechseln.
SAG (deutsch: Einfederung) ist die Strecke, um die deine Federung unter deinem Körpergewicht einfedert, wenn du auf dem Bike sitzt.
Optimaler SAG-Wert:
SAG messen:
Beispiel: 150 mm Federweg, 40 mm Einfederung: (40 / 150) × 100 = 26,7% SAG (gut für Trail)
Anpassung: Zu viel SAG (>35%) → Druck erhöhen. Zu wenig SAG (<20%) → Druck senken.
| Eigenschaft | Luftfederung (Air) | Stahlfeder (Coil) |
|---|---|---|
| Ansprechverhalten | Gut (aber Stiction vorhanden) | Sehr gut (keine Stiction) |
| Gewicht | Leicht (1.800-2.200 g) | Schwer (2.200-2.600 g) |
| Einstellbarkeit | Sehr einfach (PSI ändern) | Feder tauschen nötig (30-80 €) |
| Progression | Natürlich progressiv | Linear oder progressiv (Feder-Design) |
| Wartung | Häufig (50-100h, Dichtungen) | Selten (nur Dämpfer-Dichtungen) |
| Temperaturabhängigkeit | Ja (Druck ändert sich) | Nein (konstant) |
| Preis | 400-1.200 € | 350-900 € |
| Stiction | Vorhanden (Haftreibung) | Minimal |
| Haltbarkeit Dichtungen | 2-5 Jahre | 5-10 Jahre |
Fazit: Luftfederung ist leichter, einfacher einstellbar und vielseitiger. Stahlfeder hat besseres Ansprechverhalten (keine Stiction) und weniger Wartung. Für die meisten Fahrer ist Luftfederung die bessere Wahl.
Individuelle Anpassung: Die Möglichkeit, den Luftdruck unkompliziert zu regulieren, macht dein Fahrwerk perfekt anpassbar. Du kannst für verschiedene Trails oder Einsatzbereiche in Sekunden umstellen.
Geringes Gewicht: Luftfedersysteme sind 200-400 g leichter als Stahlfedersysteme. Bei Federgabel + Dämpfer sparst du 400-800 g - relevant beim Uphill.
Einfachheit: Keine Wechselmechanik, da alles nur über den Luftdruck eingestellt wird. Kein Federwechsel (der bei Coil 30-80 Euro kostet).
Natürliche Progression: Luft wird beim Komprimieren härter, was natürlichen Durchschlagschutz bietet. Ideal für variable Trails.
Moderne Performance: Dank innovativer Technik (RockShox Debonair, Fox EVOL, DVO OTT) bietet die Luftfederung ein Fahrgefühl, das mit Stahlfedersystemen vergleichbar ist.
Stiction (Haftreibung): Luftdichtungen erzeugen mehr Reibung als bei Stahlfedern. Das beeinträchtigt das Ansprechen auf kleine Schläge. Regelmäßige Wartung (Dichtungen ölen) reduziert das Problem.
Wartungsintensiver: Dichtungen müssen alle 50-100 Betriebsstunden gewartet werden. Vollständiger Service (Öl, Dichtungen) alle 100-200 Stunden oder jährlich. Kosten: 80-150 Euro in Werkstatt.
Temperaturabhängigkeit: Luftdruck ändert sich mit Temperatur. Im Winter (kalt) sinkt der Druck um 5-10 PSI, im Sommer steigt er. Vor Fahrt prüfen und anpassen.
Luft nachfüllen: Luftkammern verlieren langsam Druck (ca. 5-10 PSI pro Monat). Regelmäßiges Prüfen und Nachpumpen nötig.
Komplexe Einstellung: Für Anfänger schwieriger als “Feder rein und fertig”. SAG, Rebound, Compression müssen verstanden werden.
Früher waren im Enduro-Bereich fast ausschließlich Stahlfedergabeln im Einsatz, da sie als robuster und zuverlässiger galten. Heutzutage hat sich die Technologie der Luftfederung so weit entwickelt, dass die Leistungsunterschiede deutlich kleiner geworden sind.
Aber: Die Unterschiede sind nicht komplett verschwunden. Stahlfeder hat nach wie vor Vorteile:
Luftfederung Vorteile:
Heutige Verteilung: Ca. 80% Luftfederung, 20% Stahlfeder. Downhill-Fahrer und Park-Rider bevorzugen oft noch Coil (zuverlässiger, besser ansprechend). XC, Trail, Enduro meist Air (Gewicht, Vielseitigkeit).
Federgabeln:
Dämpfer:
Regelmäßig (nach jeder Fahrt):
Monatlich:
Alle 50-100 Betriebsstunden:
Alle 100-200 Betriebsstunden oder jährlich:
Selbst machen: Mit Servicekits (30-60 €) und Werkzeug möglich, spart 50-70% Kosten.
Was ist der SAG und wie stelle ich ihn ein? SAG ist die Einfederung unter Körpergewicht. Optimal: 20-30% des Federwegs (Trail: 25-30%). Einstellen: O-Ring an Standrohrgabel nach unten schieben, aufsteigen, absteigen, messen. Zu viel SAG (>35%)? → PSI erhöhen. Zu wenig (<20%)? → PSI senken. Immer in 5-10 PSI-Schritten.
Wie viel PSI braucht meine Luftfederung? Abhängig vom Gewicht. Faustregel Federgabel: Körpergewicht (kg) = PSI (ca.). Beispiel: 75 kg Fahrer → 75-85 PSI. Dämpfer: 2-3x höher (150-250 PSI). Genauer: SAG einstellen (25-30%), dann passt der Druck. Herstellertabellen nutzen (online verfügbar).
Ist Luftfederung besser als Stahlfeder? Kommt auf den Einsatz an. Luftfederung besser für: Gewicht (400-800 g Ersparnis), Einstellbarkeit (PSI ändern statt Feder tauschen), Vielseitigkeit (verschiedene Trails). Stahlfeder besser für: Ansprechverhalten (keine Stiction), Zuverlässigkeit (weniger Wartung), konstante Performance (temperaturunabhängig). Für die meisten Fahrer: Luftfederung beste Wahl.
Wie oft muss ich Luftfederung warten? Klein: Alle 50-100 Betriebsstunden (Dichtungen ölen, Luftdruck prüfen). Groß: Alle 100-200 Stunden oder jährlich (Öl wechseln, Dichtungen erneuern). Kosten Werkstatt: 40-80 € (klein), 80-150 € (groß). Stahlfeder braucht weniger Wartung (nur Dämpfer-Dichtungen alle 200+ Stunden).
Warum verliert meine Luftfederung Druck? Normal: 5-10 PSI Verlust pro Monat durch Mikro-Undichtigkeiten an Dichtungen. Monatlich nachpumpen. Schneller Verlust (20+ PSI/Woche)? → Dichtungen defekt, Service nötig (80-150 €). Temperatur: Im Winter sinkt Druck um 5-10 PSI (Physik: kalte Luft = niedrigerer Druck).
Kann ich eine normale Fahrradpumpe verwenden? Nein! Luftfederung braucht hohen Druck (80-300 PSI) und geringe Volumina. Normale Pumpen schaffen das nicht. Benötigt: Shock Pump (Hochdruckpumpe) mit feiner PSI-Skala. Kosten: 20-60 €. Wichtig: Ventil nur kurz öffnen (sonst 5-10 PSI Verlust beim Abziehen).
Funktioniert Luftfederung auch im Winter? Ja, aber Luftdruck vor Fahrt prüfen! Kalte Temperaturen senken den Druck um 5-10 PSI. Beispiel: 100 PSI bei 20°C werden zu 90-95 PSI bei -10°C. Vor Winterfahrt nachpumpen. Dämpferöl kann bei extremer Kälte (<-15°C) zähflüssiger werden (schlechteres Ansprechen). Spezielle Kälte-Öle verfügbar.