Der Radstand ist der horizontale Abstand zwischen Vorderrad- und Hinterradachse, gemessen von Achsmitte zu Achsmitte. Er ist eines der wenigen RahmenmaĂe, die direkt das Fahrverhalten bestimmen: Ein langer Radstand macht das Rad bei hohen Geschwindigkeiten stabiler und ruhiger; ein kurzer Radstand erhöht die Wendigkeit, erfordert aber mehr aktives Lenken.
Wichtig: Der Radstand ist kein isolierter Wert. Er wirkt immer zusammen mit dem Lenkwinkel, dem Nachlauf und der KettenstrebenlÀnge. Ein Rennrad mit kurzem Radstand und steilem Lenkwinkel reagiert anders als ein Gravelbike mit Àhnlichem Radstand und flacherem Winkel.
| Fahrradtyp | Typischer Radstand |
|---|---|
| Rennrad | 96 bis 104 Zentimeter |
| Gravelbike | 100 bis 108 Zentimeter |
| Trekkingrad/Citybike | 103 bis 112 Zentimeter |
| Hardtail MTB 29 Zoll | 108 bis 118 Zentimeter |
| Fully MTB 29 Zoll | 115 bis 130 Zentimeter |
| E-City-Bike | 110 bis 118 Zentimeter |
| E-Mountainbike | 120 bis 135 Zentimeter |
Moderne Trail- und Enduro-Mountainbikes haben in den vergangenen Jahren deutlich lĂ€ngere RadstĂ€nde bekommen. Ein aktuelles Enduro-Fully in GröĂe Large kommt oft auf 125 bis 130 Zentimeter, wĂ€hrend vergleichbare Modelle vor zehn Jahren bei 115 Zentimeter lagen. Dieser Trend zu mehr Laufruhe bei hohen Geschwindigkeiten geht auf Kosten der Wendigkeit im engen GelĂ€nde.
Ein lĂ€ngerer Radstand entsteht entweder durch lĂ€ngere Kettenstreben, einen flacheren Lenkwinkel oder einen lĂ€ngeren Reach. Alle drei Varianten haben unterschiedliche Auswirkungen auf das Fahrverhalten, auch wenn der Radstand auf dem Papier identisch ist. Deshalb ist der Radstand allein kein vollstĂ€ndiges Urteil ĂŒber das Handling eines Bikes.
Bei E-Bikes kommt ein weiterer Faktor hinzu: Akku und Motor erhöhen das Gesamtgewicht und verschieben den Schwerpunkt. Ein lÀngerer Radstand stabilisiert das Fahrverhalten bei höherem Gewicht und trÀgt dazu bei, dass das Vorderrad auch unter Last nicht zu leicht wird.
FĂŒr eine genaue Messung das Fahrrad auf ebenem Untergrund aufstellen. Mit einem MaĂband den Abstand von der Mitte der Vorderradachse zur Mitte der Hinterradachsen messen. Bei FahrrĂ€dern mit Schnellspanner liegt die Achsmitte im Zentrum der Ausfallenden; bei Steckachsen an der sichtbaren Achsmitte des Steckachsenbolzens.
Der Wert steht bei den meisten Herstellern auch im Geometrieblatt des jeweiligen Modells, oft als âWheelbaseâ angegeben.
Wer einen FahrradtrĂ€ger kauft, sollte den Radstand des eigenen Bikes kennen. Die meisten HecktrĂ€ger fĂŒr Pkw sind fĂŒr RadstĂ€nde bis 120 Zentimeter ausgelegt. Lange E-Mountainbikes oder Fully-Bikes in groĂen RahmengröĂen können diesen Wert ĂŒberschreiten. In dem Fall entweder einen TrĂ€ger mit verstellbarem Radstandsbereich wĂ€hlen oder die Herstellerangaben des TrĂ€gers mit dem gemessenen Radstand abgleichen, bevor der Kauf getĂ€tigt wird.