Rücktrittnabe (auch Rücktrittbremse oder englisch “Coaster Brake”) bezeichnet eine spezielle Hinterradnabe am Fahrrad, die eine integrierte Bremsfunktion besitzt. Die Rücktrittnabe ermöglicht das Bremsen durch Rückwärtstreten der Pedale und ist besonders im deutschsprachigen Raum bei Citybikes, Hollandrädern und Kinderfahrrädern verbreitet.
Technische Daten:
Die Rücktrittnabe besteht aus folgenden Hauptkomponenten:
Nabenkörper: Robustes Gehäuse (meist aus Stahl oder Aluminium) mit integriertem Bremsmechanismus
Freilaufmechanismus: Ermöglicht das Rollen ohne Pedalieren bei Vorwärtsbewegung (Sperrklinken-System)
Bremsmechanismus: Meist Konus-Bremsbacken-System (klassisch) oder Rollenbremse (modern). Bremsbacken spreizen sich gegen Innenwand der Nabe.
Drehmomentabstützung: Bremsarm zur Befestigung am Rahmen oder Kettenstrebe, der das Bremsmoment aufnimmt (verhindert Mitdrehen der Nabe)
Ritzelaufnahme: Für einzelnes Ritzel (Singlespeed) oder Nabenschaltung (3, 5, 7 oder 8 Gänge)
Bei der Rücktrittnabe wird durch Rückwärtstreten der Pedale der Freilauf blockiert und gleichzeitig der Bremsmechanismus aktiviert. Im Inneren der Rücktrittnabe spreizen sich Bremsbacken gegen die Innenwand des Nabenkörpers oder Bremsrollen werden gegen eine Bremsfläche gedrückt. Die dabei entstehende Reibung bremst das Hinterrad.
Die Bremskraft wird über den Bremsarm am Rahmen oder an der Kettenstrebe abgestützt, sodass die Rücktrittnabe nicht mitrotieren kann. Je stärker du rückwärts trittst, desto stärker die Bremswirkung.
Wichtig: Die Pedale können während der Fahrt nicht frei gedreht werden (kein “Fixed Gear” wie beim Bahnrad, aber auch kein freies Drehen).
| Hersteller | Modell | Schaltung | Gewicht | Preis | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| Shimano | Nexus Inter 3 RT | 3-Gang | ca. 1.100 g | 80-120 Euro | Robust, wartungsarm |
| Shimano | Nexus Inter 7 RT | 7-Gang | ca. 1.600 g | 150-200 Euro | Große Übersetzung |
| SRAM | Automatix | 2-Gang automatisch | ca. 1.300 g | 100-150 Euro | Automatische Schaltung |
| Sachs | Torpedo (klassisch) | Singlespeed | ca. 900 g | 50-80 Euro | Klassiker, robust |
| Sturmey-Archer | S-RF3 | 3-Gang | ca. 1.200 g | 90-130 Euro | Britische Qualität |
Hinweis: Shimano ist Marktführer bei Rücktrittnaben mit Nabenschaltung. SRAM Torpedo war der klassische Standard, wird aber nicht mehr produziert (Gebrauchtmarkt).
| Eigenschaft | Rücktrittnabe | Felgenbremse | Scheibenbremse |
|---|---|---|---|
| Bremsleistung | Mittel (50-70%) | Hoch (100%) | Sehr hoch (120-150%) |
| Dosierbarkeit | Gering | Gut | Sehr gut |
| Wartung | Minimal | Mittel (Beläge) | Mittel (Beläge, Entlüften) |
| Wetter | Gut (geschützt) | Schlecht (Nässe) | Sehr gut |
| Gewicht | Schwer (800-1.200 g) | Leicht (200-400 g) | Mittel (300-500 g) |
| Preis | 50-200 Euro | 20-80 Euro | 100-400 Euro |
| Überhitzung | Ja (bei langen Gefällen) | Selten | Selten |
| Einsatz | City, Holland, Kinder | Universal | Sport, MTB, E-Bike |
Intuitive Bedienung: Besonders für Kinder und ältere Menschen geeignet - Rückwärtstreten ist instinktiv verständlich.
Wartungsarme Bremse: Geschlossenes System, funktioniert auch bei Nässe zuverlässig. Keine Einstellung von Bremszügen nötig.
Geschützte Bremsanlage: Bremsmechanismus im Inneren der Nabe, geschützt vor Schmutz, Wasser und Korrosion.
Keine Bremshebel nötig: Lenker bleibt aufgeräumt, weniger Kabel. Ideal für Kinderfahrräder.
Kombinierbar mit Nabenschaltungen: Shimano Nexus und andere Nabenschaltungen oft mit integrierter Rücktrittbremse erhältlich.
Lange Lebensdauer: Bei normalem Stadtverkehr 20.000 bis 50.000 km ohne Wartung.
Höheres Gewicht: 800-1.200 g, deutlich schwerer als einfache Freilaufnaben (300-500 g).
Nur Hinterradbremsung: Bremswirkung nur am Hinterrad, keine unabhängige Vorder- und Hinterradbremsung. Wichtig: StVZO verlangt zwei unabhängige Bremsen - zusätzliche Vorderradbremse ist Pflicht in Deutschland!
Eingeschränkte Dosierbarkeit: Schwer, die Bremskraft fein zu dosieren. Entweder bremst es zu wenig oder blockiert.
Pedalposition wichtig: Pedale müssen in korrekter Position stehen, um anfahren zu können (besonders an Ampeln lästig).
Nicht für sportliches Fahren: Nicht geeignet für Mountainbiking, Rennrad oder sportliches Fahren. Zu geringe Bremsleistung.
Überhitzung bei langen Gefällen: Die Rücktrittnabe kann bei langen Bremsungen (Bergabfahrten über 1-2 km bei 5-10% Gefälle) überhitzen. Bremsleistung lässt nach, im Extremfall kann Schmierfett auslaufen.
Keine Kettenschaltung möglich: Funktioniert nur mit Singlespeed oder Nabenschaltung.
Wichtig: Nach deutscher StVZO (Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung) müssen Fahrräder zwei voneinander unabhängige Bremsen haben. Eine Rücktrittbremse allein reicht NICHT aus!
Pflicht: Zusätzlich zur Rücktrittnabe muss eine Vorderradbremse (Felgenbremse, V-Brake oder Scheibenbremse) montiert sein.
Empfehlung: Für mehr Sicherheit eine hochwertige Vorderradbremse nutzen, da die Vorderradbremse 70% der Bremskraft liefern kann (Gewichtsverlagerung nach vorne beim Bremsen).
Bei längeren Bergabfahrten:
Die Rücktrittnabe ist weitgehend wartungsfrei, sollte aber regelmäßig auf Funktion geprüft werden.
Regelmäßige Prüfung:
Jährliche Wartung:
Service (alle 5.000-10.000 km oder bei Problemen):
Wichtig: Öffnen und Reparieren erfordert Spezialwerkzeug. Bei Unsicherheit: Fachwerkstatt aufsuchen.
Ideal für:
Weniger geeignet für:
Wie funktioniert eine Rücktrittnabe? Durch Rückwärtstreten wird der Freilauf blockiert und Bremsbacken spreizen sich gegen die Innenwand der Nabe. Die Reibung bremst das Hinterrad. Der Bremsarm verhindert, dass die Nabe mitdreht. Je stärker du rückwärts trittst, desto stärker die Bremswirkung.
Ist eine Rücktrittbremse ausreichend? Nein! Nach StVZO benötigst du in Deutschland zwei unabhängige Bremsen. Eine Rücktrittbremse allein reicht nicht. Du musst zusätzlich eine Vorderradbremse haben. Die Rücktrittbremse bremst nur das Hinterrad und liefert nur 50-70% der Bremsleistung einer Felgen- oder Scheibenbremse.
Kann eine Rücktrittnabe überhitzen? Ja, bei langen Bergabfahrten (über 1-2 km bei 5-10% Gefälle) kann die Nabe überhitzen. Symptome: Nachlassende Bremswirkung, Geruch nach verbranntem Fett. Lösung: Vorderradbremse stärker nutzen, Pausen einlegen. Für bergiges Gelände sind Rücktrittnaben nicht ideal.
Wie lange hält eine Rücktrittnabe? Bei normaler Nutzung (Stadtverkehr) 20.000 bis 50.000 km ohne größere Wartung. Die Bremsbeläge verschleißen langsamer als bei Felgenbremsen, da sie geschützt im Inneren liegen. Regelmäßige Inspektion und Nachfettung (alle 5.000-10.000 km) verlängert die Lebensdauer.
Kann man eine Rücktrittnabe nachrüsten? Theoretisch ja, praktisch schwierig und teuer. Du brauchst: Neue Nabe (50-200 Euro), Laufrad neu einspeichen (100-150 Euro), ggf. neue Schaltung. Gesamtkosten: 200-400 Euro. Oft günstiger: Komplett neues Laufrad kaufen (150-300 Euro). Lohnt sich meist nur bei hochwertigen Rädern.
Funktioniert eine Rücktrittnabe mit Kettenschaltung? Nein, Rücktrittnaben funktionieren NUR mit Singlespeed (1 Gang) oder Nabenschaltung (3-8 Gänge). Kettenschaltungen benötigen einen Standard-Freilauf mit mehreren Ritzeln, was mit dem Rücktrittmechanismus nicht kompatibel ist.
Was kostet eine Rücktrittnabe? Einfache Rücktrittnabe ohne Schaltung (Singlespeed): 50-80 Euro. Mit 3-Gang Nabenschaltung: 80-120 Euro. Mit 7-8 Gang Nabenschaltung: 150-200 Euro. Dazu kommen ggf. Kosten für Einspeichen (100-150 Euro) oder fertiges Laufrad (150-300 Euro).