Die Steuerrohrlänge bezeichnet die vertikale Distanz des Steuerrohrs, also den Abschnitt des Rahmens, durch den Gabelschaft und Steuersatz verlaufen. Sie wird vom unteren Ende des Steuerrohrs (wo es auf das Unterrohr trifft) bis zur Oberkante gemessen. Sie ist eine zentrale Größe, die nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern zusammen mit anderen Elementen der Rahmengeometrie, wie dem Steuerrohrwinkel, Stack, Reach oder der Oberrohrlänge, dein Fahrerlebnis beeinflusst.
Eine kürzere Steuerrohrlänge sorgt für eine sportlich tiefe Lenkerposition, während eine längere Steuerrohrlänge zu einer aufrechteren und entspannteren Haltung führt. Bei jedem Fahrradtyp, vom Rennrad über das Mountainbike bis hin zum Citybike, spielt diese Maßeinheit eine wichtige Rolle in Sachen Ergonomie und Handling.
Während die Steuerrohrlänge ein grundlegender Geometriewert ist, sind für die tatsächliche Sitzposition zwei andere Maße entscheidender: Stack und Reach. Diese beiden Werte beschreiben die Position der Oberkante des Steuerrohrs relativ zur Tretlagerachse und geben ein genaueres Bild der Rahmengeometrie.
Stack: Der Stack bezeichnet die vertikale Distanz von der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Steuerrohrs. Er gibt an, wie hoch deine Lenkerposition im Verhältnis zu den Pedalen ist. Ein höherer Stack bedeutet eine aufrechtere Sitzposition, ein niedriger Stack eine sportlichere, gebückte Haltung.
Reach: Der Reach ist die horizontale Distanz von der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Steuerrohrs. Er beschreibt, wie weit du dich nach vorne strecken musst, um den Lenker zu erreichen. Ein längerer Reach bedeutet eine gestrecktere Position.
Stack-to-Reach-Ratio: Das Verhältnis von Stack zu Reach ist oft aussagekräftiger als die einzelnen Werte. Eine Ratio von 1,5 oder höher deutet auf eine aufrechte, komfortable Geometrie hin (typisch für Citybikes oder Tourenräder). Eine Ratio von 1,3 oder niedriger steht für eine sportliche, aggressive Geometrie (typisch für Rennräder oder Cross-Country-Mountainbikes).
Die Steuerrohrlänge allein sagt wenig aus, weil auch der Steuerrohrwinkel die Position der Oberkante beeinflusst. Ein steilerer Winkel bei gleicher Steuerrohrlänge ergibt einen höheren Stack, ein flacherer Winkel einen niedrigeren Stack.
| Fahrradtyp | Steuerrohrlänge (mm) | Stack (mm) | Reach (mm) | Charakteristik |
|---|---|---|---|---|
| Rennrad (Race) | 100 bis 140 | 500 bis 550 | 380 bis 400 | Sehr sportlich, aerodynamisch |
| Rennrad (Endurance) | 140 bis 180 | 550 bis 600 | 380 bis 395 | Sportlich, aber komfortabler |
| Mountainbike (XC) | 90 bis 120 | 580 bis 620 | 420 bis 450 | Sportlich, effizient |
| Mountainbike (Trail/All-Mountain) | 100 bis 130 | 600 bis 640 | 430 bis 460 | Ausgewogen, vielseitig |
| Mountainbike (Enduro/Downhill) | 110 bis 140 | 620 bis 660 | 450 bis 480 | Kontrolliert, stabil |
| Gravelbike | 140 bis 180 | 560 bis 610 | 380 bis 400 | Komfortabel, vielseitig |
| Trekkingrad | 160 bis 200 | 610 bis 670 | 380 bis 410 | Aufrecht, komfortabel |
| Citybike | 180 bis 220 | 650 bis 720 | 360 bis 390 | Sehr aufrecht, entspannt |
Diese Werte sind Richtwerte für mittlere Rahmengrößen (M oder 54-56 cm). Kleinere Rahmen haben tendenziell kürzere Steuerrohre und niedrigere Stack-Werte, größere Rahmen längere Steuerrohre und höhere Stack-Werte.
Die Steuerrohrlänge variiert nicht nur zwischen verschiedenen Fahrradtypen, sondern auch zwischen den Rahmengrößen eines Modells. Hersteller verwenden unterschiedliche Ansätze, um die Geometrie über die Größen hinweg anzupassen.
Beispiel Mountainbike Trail:
Die Steuerrohrlänge nimmt also mit der Rahmengröße zu, um größeren Fahrern eine proportional passende Sitzposition zu ermöglichen. Dabei bleibt die Stack-to-Reach-Ratio idealerweise über alle Größen ähnlich, damit das Fahrverhalten konsistent bleibt.
Moderne Geometrie-Konzepte verlängern bei größeren Rahmen vor allem den Reach, während der Stack-Anstieg moderater ausfällt. Dies führt zu einer etwas sportlicheren Position bei größeren Rahmen, was viele Hersteller bewusst so gestalten.
Die Steuerrohrlänge hat eine direkte Auswirkung auf deine Sitzposition und das Lenkverhalten. Hier sind die wichtigsten Aspekte auf einen Blick:
Eine kürzere Steuerrohrlänge senkt den Lenker und bringt dich in eine aerodynamischere, sportliche Sitzposition. Das ist ideal für Rennräder und Cross-Country-Mountainbikes, bei denen du eine bessere Kontrolle und mehr Kraftübertragung auf das Vorderrad brauchst. Die tiefere Position verlagert mehr Gewicht nach vorne, was die Lenkpräzision erhöht und bei steilen Anstiegen verhindert, dass das Vorderrad abhebt.
Vorteile:
Nachteile:
Eine längere Steuerrohrlänge hebt die Front deines Fahrrads an. Dadurch sitzt du aufrechter, was den Druck auf deine Handgelenke reduziert und den Fahrkomfort erhöht. Diese Geometrie eignet sich hervorragend für Citybikes, Tourenräder, Gravelbikes und komfortorientierte Mountainbikes, bei denen Bequemlichkeit im Vordergrund steht.
Vorteile:
Nachteile:
Die richtige Steuerrohrlänge hängt somit stark von deinem Fahrstil, deinem bevorzugten Untergrund und der angestrebten Ergonomie ab.
Jeder Fahrradtyp bringt unterschiedliche Anforderungen mit sich. Rennräder der Race-Kategorie oder Zeitfahrräder benötigen in der Regel ein kurzes Steuerrohr (100 bis 130 mm), um eine aggressive Sitzposition zu ermöglichen. Endurance-Rennräder haben längere Steuerrohre (140 bis 180 mm) für mehr Komfort. Tourenräder oder Alltagsbikes sind auf maximalen Komfort ausgelegt und verfügen deshalb über die längsten Steuerrohre (160 bis 220 mm).
Deine persönliche Anatomie spielt eine Schlüsselrolle. Bist du eher unflexibel, hast Rückenprobleme oder suchst nach einem entspannten Fahrgefühl, solltest du ein Fahrrad mit längerer Steuerrohrlänge und höherem Stack in Betracht ziehen. Für erfahrene und sportliche Fahrer mit guter Flexibilität, die viel Kontrolle und Power wünschen, eignet sich ein kürzeres Steuerrohr mit niedrigerem Stack besser.
Flexibilitätstest: Kannst du im Stand mit durchgestreckten Beinen deine Hände flach auf den Boden legen? Dann hast du gute Flexibilität für sportliche Geometrien. Kommst du kaum über die Knie, sind komfortablere Geometrien besser geeignet.
Wenn du häufig auf technischen Trails unterwegs bist oder schnelle Abfahrten meisterst, kann eine etwas sportlichere Position mit moderatem Steuerrohr (100 bis 130 mm) vorteilhaft sein. Das zusätzliche Gewicht auf dem Vorderrad verbessert die Traktion und Kontrolle. Für lockere Fahrten auf ebenen Wegen, Pendeln oder längere Tourenfahrten ist ein Fahrrad mit komfortablerer Geometrie und längerem Steuerrohr (160 bis 200 mm) sinnvoller.
Ältere Fahrer oder Einsteiger profitieren oft von aufrechteren Positionen mit längeren Steuerrohren, da diese weniger Anpassung erfordern und schonender für den Bewegungsapparat sind. Jüngere, sportliche Fahrer können aggressivere Geometrien besser kompensieren.
Wenn du die Steuerrohrlänge deines aktuellen Fahrrads oder eines Gebrauchtrads messen möchtest, gehe so vor:
Die meisten Hersteller geben die Steuerrohrlänge in ihren Geometrietabellen an. Diese findest du meist auf der Herstellerwebsite unter den technischen Daten des jeweiligen Modells. Achte darauf, dass du die Werte für die richtige Rahmengröße abliest.
Die Steuerrohrlänge ist durch den Rahmen fest vorgegeben und kann nicht verändert werden. Dennoch kannst du die Lenkerhöhe und damit deine Sitzposition durch verschiedene Maßnahmen anpassen.
Spacer sind Distanzringe aus Aluminium oder Carbon, die auf den Gabelschaft zwischen Steuersatz und Vorbau gesetzt werden. Durch Umstecken der Spacer kannst du die Lenkerhöhe anpassen:
Die meisten Fahrräder werden mit 20 bis 40 mm Spacern ausgeliefert. Du kannst maximal so viele Spacer nutzen, wie der Gabelschaft über dem Steuersatz herausragt. Bei Ahead-Vorbauten sollten mindestens 3 bis 5 mm Gabelschaft über dem Vorbau verbleiben, damit die Kralle sicher greifen kann.
Wichtig: Carbon-Gabeln haben oft eine maximale Spacer-Höhe (typisch 30 bis 40 mm), die du nicht überschreiten solltest. Dies steht in der Bedienungsanleitung der Gabel.
Der Vorbau verbindet Gabelschaft und Lenker. Durch Wechsel des Vorbaus kannst du Höhe und Reichweite verändern:
Ein Vorbauswechsel beeinflusst auch das Lenkverhalten. Kürzere Vorbauten machen die Lenkung direkter und nervöser, längere Vorbauten stabilisieren die Lenkung.
Auch der Lenker selbst beeinflusst die Position:
Was ist der Unterschied zwischen Steuerrohrlänge und Stack? Die Steuerrohrlänge misst nur die Länge des Steuerrohrs selbst (z.B. 120 mm). Der Stack hingegen misst die vertikale Distanz von der Tretlagermitte bis zur Oberkante des Steuerrohrs (z.B. 620 mm) und ist damit aussagekräftiger für die tatsächliche Sitzposition. Der Stack hängt von Steuerrohrlänge, Steuerrohrwinkel und Tretlagerhöhe ab.
Wie messe ich die Steuerrohrlänge? Miss mit einem Maßband vom unteren Ende des Steuerrohrs (wo es auf das Unterrohr trifft) bis zur Oberkante, parallel zur Mittellinie des Steuerrohrs. Die meisten Hersteller geben die Steuerrohrlänge aber in ihren Geometrietabellen an, sodass du nicht selbst messen musst.
Welche Steuerrohrlänge brauche ich? Das hängt von deiner Körpergröße, Flexibilität und dem Einsatzzweck ab. Für sportliche Fahrräder sind 100 bis 140 mm typisch, für komfortable Touren- oder Citybikes 160 bis 220 mm. Wichtiger als die absolute Länge ist jedoch der Stack-Wert und deine persönliche Sitzposition. Ein professionelles Bikefitting kann hier helfen.
Kann ich die Steuerrohrlänge nachträglich ändern? Nein, die Steuerrohrlänge ist durch den Rahmen fest vorgegeben. Du kannst jedoch die Lenkerhöhe durch Spacer, einen anderen Vorbau oder einen anderen Lenker anpassen. Damit lässt sich die Sitzposition um etwa 30 bis 50 mm in der Höhe verändern, was für die meisten Fahrer ausreicht.
Was ist eine gute Stack-to-Reach-Ratio? Das hängt vom Einsatzzweck ab. Für sportliche Rennräder liegt die Ratio bei etwa 1,35 bis 1,45, für Endurance-Rennräder bei 1,45 bis 1,55, für Gravelbikes bei 1,50 bis 1,60 und für Tourenräder bei 1,60 bis 1,75. Höhere Werte bedeuten eine aufrechtere, komfortablere Position.
Wie viele Spacer kann ich maximal nutzen? Das hängt von der Gabel ab. Bei Aluminium-Gabeln sind bis zu 50 mm Spacer meist kein Problem. Bei Carbon-Gabeln liegt das Maximum oft bei 30 bis 40 mm, was in der Bedienungsanleitung der Gabel steht. Über dem Vorbau sollten mindestens 3 bis 5 mm Gabelschaft verbleiben.
Unterscheiden sich Steuerrohrlängen zwischen Herren- und Damenrädern? Traditionell hatten Damenräder kürzere Oberrohre und längere Steuerrohre, um eine aufrechtere Position zu ermöglichen. Moderne Hersteller verzichten zunehmend auf diese Unterscheidung und bieten stattdessen verschiedene Geometrie-Varianten (z.B. Race vs. Endurance) an, die für alle Geschlechter geeignet sind.
Sollte ich einen größeren oder kleineren Rahmen wählen, wenn ich zwischen zwei Größen liege? Wenn du zwischen zwei Größen liegst, wähle den kleineren Rahmen für sportlicheres Handling und den größeren für mehr Komfort und Stabilität. Der kleinere Rahmen hat ein kürzeres Steuerrohr und niedrigeren Stack, was du mit Spacern teilweise ausgleichen kannst. Der größere Rahmen bietet mehr Laufruhe, ist aber weniger wendig.
Beeinflusst die Steuerrohrlänge die Stabilität? Indirekt ja. Ein längeres Steuerrohr führt zu einem höheren Stack und damit zu einer aufrechtere Position mit höherem Schwerpunkt. Dies macht das Fahrrad in schnellen Kurven etwas weniger stabil. Gleichzeitig kann eine aufrechtere Position bei gemütlichen Fahrten angenehmer und kontrollierbarer sein. Für sportliches Fahren sind niedrigere Stacks vorteilhaft.