Was ist eine Doppelbrückengabel?
Eine Doppelbrückengabel ist eine besondere Bauform der Federgabel, die vor allem im Downhill- und Freeride-Bereich zum Einsatz kommt. Im Unterschied zu einer normalen Gabel besitzt sie zwei Brücken: eine über dem Vorderrad (untere Brücke) und eine direkt unterhalb des Steuerrohrs (obere Brücke). Durch diese Konstruktion wird der Gabelschaft zusätzlich stabilisiert, was die Doppelbrückengabel MTB extrem verwindungssteif macht und sie für harte Einsätze im Gelände prädestiniert.
Die Doppelbrückengabel Downhill ist das Erkennungsmerkmal von reinrassigen Downhill-Bikes und bietet bei Federweg, Stabilität und Sicherheit Maßstäbe, die eine Einfachbrückengabel nicht erreichen kann. Der Preis für diese Eigenschaften: höheres Gewicht, eingeschränkter Lenkeinschlag und Kosten zwischen 1.000 und 2.000 Euro.
Aufbau und Merkmale
Eine Doppelbrückengabel besteht im Kern aus denselben Komponenten wie eine Standardgabel, ist aber deutlich massiver ausgelegt.
Charakteristische Merkmale:
- Zwei Brücken für maximale Steifigkeit (obere + untere Brücke)
- Langer Gabelschaft, der durch beide Brücken verläuft und für zusätzliche Stabilität sorgt
- Besonders dicke Standrohre (meist 38mm oder 40mm Durchmesser)
- Großer Federweg, in der Regel 180 bis 220 Millimeter
- Steckachse mit 20mm oder 25mm Durchmesser (statt Quick-Release)
- Steuerrohrdurchmesser 1.5" Tapered (oben 1 1/8", unten 1.5")
- Höheres Gewicht als Einfachbrückengabeln (3-4kg statt 2-2,5kg)
Technische Spezifikationen:
Standrohrdurchmesser:
- Fox 40: 40mm (daher der Name)
- RockShox Boxxer: 38mm
- Marzocchi Bomber 58: 38mm
- Öhlins DH38: 38mm
Steckachsen-Standards:
- 20mm Steckachse: Älterer Standard, noch weit verbreitet
- 25mm Steckachse: Moderner Standard (steifer, bei neueren Modellen)
- Einbaubreite: 110mm (Boost-Standard bei DH)
Federweg:
- Standard: 200mm
- Range: 180-220mm (je nach Modell anpassbar durch Spacer)
- DH-Racing: meist 200mm
- Freeride: oft 180-200mm
Gewicht:
- Leichte Modelle: ca. 3,0kg (z.B. Fox 40 Float)
- Standard: 3,2-3,6kg
- Robuste Modelle: bis 4,0kg (z.B. mit Stahlfeder)
Vergleich: Doppelbrückengabel vs Einfachbrückengabel
| Merkmal |
Doppelbrückengabel |
Einfachbrückengabel |
| Stabilität |
Sehr hoch (verwindungssteif) |
Mittel (kann flexen) |
| Federweg |
180-220 mm |
100-180 mm |
| Gewicht |
3,0-4,0 kg |
1,8-2,5 kg |
| Lenkeinschlag |
Eingeschränkt (ca. 45°) |
Voll (ca. 90°) |
| Einsatzbereich |
Downhill, Freeride, Bikepark |
Trail, All-Mountain, Enduro |
| Preis |
1.000-2.000€ |
400-1.200€ |
| Wartungsintervalle |
50-100 Stunden |
50-150 Stunden |
| Kletterfähigkeit |
Schlecht (zu schwer) |
Gut bis sehr gut |
| Spurtreue bergab |
Exzellent |
Gut |
| Kompatibilität |
Nur DH-Rahmen |
Fast alle MTB-Rahmen |
Wann Doppelbrückengabel, wann Einfachbrücke?
Doppelbrückengabel wählen wenn:
- Du hauptsächlich Bikeparks fährst (70%+ bergab)
- Du Downhill-Rennen fährst
- Du große Sprünge und Drops machst (2m+)
- Spurtreue und Stabilität wichtiger als Gewicht
- Du ein dediziertes DH-Bike besitzt oder planst
Einfachbrückengabel wählen wenn:
- Du auch bergauf fährst (Enduro, Trail, All-Mountain)
- Gewicht eine Rolle spielt
- Du vielseitig unterwegs bist
- Dein Rahmen keine Doppelbrücke unterstützt
- Budget begrenzt ist (unter 1.000€)
Grauzone (große Einfachbrücke vs. kleine Doppelbrücke):
- Fox 38 mit 180mm (Einfachbrücke, sehr steif) vs. günstige Doppelbrücke
- Für Enduro-Fahrer, die viel bergab fahren, aber auch klettern müssen
- Moderne 38mm Einfachbrücken-Gabeln sind so steif, dass Doppelbrücke nur noch bei purem DH nötig ist
Hersteller und Modelle
Fox Racing Shox (Premium-Marktführer)
Fox 40 Float
- Federweg: 203mm (anpassbar 178-203mm)
- Standrohre: 40mm
- Federung: Luftfeder (Float) oder Stahlfeder (RC2)
- Dämpfung: GRIP2 (High-End) oder GRIP (Standard)
- Gewicht: ca. 3,2kg (Float), 3,8kg (Coil)
- Preis: 1.600-1.900€
- Besonderheit: Kashima-Beschichtung für minimale Reibung, sehr sensibles Ansprechen
- Ideal für: DH-Racing, professionelle Fahrer, maximale Performance
Fox 40 RC2 (Stahlfeder)
- Preis: 1.400-1.600€
- Gewicht: ca. 3,8kg
- Vorteil: Linearere Federcharakteristik, robuster
- Nachteil: Schwerer, Federhärte nur durch Federtausch änderbar
RockShox (Preis-Leistungs-Favorit)
RockShox Boxxer Ultimate
- Federweg: 200mm (anpassbar 180-200mm)
- Standrohre: 38mm
- Federung: Luftfeder (DebonAir)
- Dämpfung: Charger 2.1 (sehr gut einstellbar)
- Gewicht: ca. 3,1kg
- Preis: 1.200-1.500€
- Besonderheit: DebonAir Luftkammer (sehr sensibel), Buttercut Crowns (leichte Brücken)
- Ideal für: Ambitionierte DH-Fahrer, beste Balance Preis/Leistung
RockShox Boxxer Select+
- Preis: 900-1.100€
- Dämpfung: Charger RC (einfacher als 2.1)
- Gewicht: ca. 3,3kg
- Ideal für: Einsteiger im DH-Bereich, Bikepark-Gelegenheitsfahrer
RockShox Boxxer World Cup (Topmodell)
- Preis: 1.600-1.900€
- Gewicht: ca. 2,9kg (leichteste DH-Gabel)
- Ideal für: Racing, Profis
Marzocchi (Robust und günstig)
Marzocchi Bomber 58
- Federweg: 200mm
- Standrohre: 38mm
- Federung: Luftfeder
- Dämpfung: GRIP (Fox-Technologie, Marzocchi gehört zu Fox)
- Gewicht: ca. 3,4kg
- Preis: 900-1.200€
- Besonderheit: Sehr robust, einfaches Setup, weniger Tuning-Optionen
- Ideal für: Freeride, Bikepark-Stammgäste, preisbewusste Fahrer
Öhlins (Premium schwedische Qualität)
Öhlins DH38
- Federweg: 200mm
- Standrohre: 38mm
- Federung: Luftfeder oder Stahlfeder
- Dämpfung: TTX (Twin Tube Technology, sehr präzise)
- Gewicht: ca. 3,3kg
- Preis: 1.800-2.200€
- Besonderheit: Extrem fein einstellbar, beste Dämpfung auf dem Markt
- Ideal für: Profis, Fahrer die Perfektion suchen
DVO (Geheimtipp aus USA)
DVO Onyx D1
- Federweg: 203mm
- Standrohre: 38mm
- Preis: 1.400-1.700€
- Besonderheit: Jade-Beschichtung, sehr wartungsfreundlich
- Ideal für: Fahrer die etwas anderes als Fox/RockShox wollen
Vergleichstabelle beliebter Modelle:
| Modell |
Federweg |
Gewicht |
Dämpfung |
Preis |
Bewertung |
| Fox 40 Float |
203mm |
3,2kg |
GRIP2 |
1.600-1.900€ |
Top Performance |
| Boxxer Ultimate |
200mm |
3,1kg |
Charger 2.1 |
1.200-1.500€ |
Preis/Leistung Sieger |
| Boxxer Select+ |
200mm |
3,3kg |
Charger RC |
900-1.100€ |
Einsteiger Top-Wahl |
| Marzocchi Bomber 58 |
200mm |
3,4kg |
GRIP |
900-1.200€ |
Robust und günstig |
| Öhlins DH38 |
200mm |
3,3kg |
TTX |
1.800-2.200€ |
Premium Wahl |
Doppelbrückengabel einstellen: Setup-Anleitung
Sag einstellen (wichtigster Parameter)
Der Sag beschreibt, wie weit die Gabel einsackt, wenn du auf dem Bike sitzt. Bei Doppelbrückengabeln ist der Sag entscheidend für Performance und Sicherheit.
Optimaler Sag für Downhill:
- 25-30% des Gesamtfederwegs
- Bei 200mm Federweg: 50-60mm Einfederung im Sitzen
So stellst du den Sag ein:
- O-Ring am Standrohr ganz nach unten schieben
- In voller Schutzausrüstung (Helm, Protektoren, Rucksack) auf Bike setzen
- Normal sitzend positionieren (nicht wippen!)
- Vorsichtig absteigen ohne Gewicht auf Gabel
- Position des O-Rings messen
- Berechnung: Sag (%) = (Einfederung / Gesamtfederweg) × 100
Beispiel bei 200mm Federweg:
- 50mm Einfederung = 25% Sag (eher straff, für aggressive Fahrer)
- 55mm Einfederung = 27,5% Sag (Standard, ausgewogen)
- 60mm Einfederung = 30% Sag (eher weich, für Komfort/Sprünge)
Luftdruck anpassen:
Bei zu wenig Sag (unter 25%, zu hart):
- Luftdruck um 5-10 PSI reduzieren
- Erneut messen
- In kleinen Schritten arbeiten
Bei zu viel Sag (über 30%, zu weich):
- Luftdruck um 5-10 PSI erhöhen
- Erneut messen
Typische Luftdruck-Werte (Richtwerte):
- 60-70kg Fahrer: 60-75 PSI
- 70-80kg Fahrer: 70-85 PSI
- 80-90kg Fahrer: 80-95 PSI
- 90-100kg Fahrer: 90-105 PSI
- 100kg+ Fahrer: 100-120 PSI
Wichtig: Diese Werte sind Startwerte, finale Einstellung erfolgt immer über Sag-Messung!
Rebound (Rückprall-Dämpfung) einstellen
Die Rebound-Dämpfung kontrolliert, wie schnell die Gabel nach einem Schlag ausfedert.
So findest du die richtige Einstellung:
- Stelle dich neben das Bike
- Drücke die Gabel komplett ein (mit Körpergewicht auf Lenker)
- Lass schnell los
- Beobachte wie die Gabel ausfedert
Zu schnell (zu wenig Rebound-Dämpfung):
- Gabel schießt hoch und “hüpft”
- Vorderrad verliert Bodenkontakt
- Lösung: Rebound-Rad im Uhrzeigersinn drehen (mehr Dämpfung, langsamer)
Zu langsam (zu viel Rebound-Dämpfung):
- Gabel federt nur langsam aus
- Bleibt bei mehreren Schlägen hintereinander eingetaucht (“packt”)
- Lösung: Rebound-Rad gegen Uhrzeigersinn drehen (weniger Dämpfung, schneller)
Optimal:
- Gabel federt in ca. 1 Sekunde kontrolliert aus
- Kein “Hüpfen”, kein “Packen”
- Bei schnellen Schlagfolgen nutzt Gabel vollen Federweg
Faustregel: Beginne mit mittlerer Einstellung (12 Klicks von ganz geschlossen) und passe an deine Strecke an.
Compression (Druckstufen-Dämpfung) einstellen
Moderne Doppelbrückengabeln haben oft getrennte Low-Speed und High-Speed Compression.
Low-Speed Compression (LSC):
- Kontrolliert langsame Bewegungen (Gewichtsverlagerung, Bremsen, Kurven)
- Zu offen: Gabel taucht beim Bremsen stark ein (“Diving”)
- Zu geschlossen: Gabel spricht auf große Schläge schlecht an
High-Speed Compression (HSC):
- Kontrolliert schnelle Schläge (Wurzeln, Steine, Landungen)
- Zu offen: Durchschlagen bei harten Schlägen
- Zu geschlossen: Hartes, harsches Gefühl
Empfehlung für Einsteiger:
- LSC: 5-8 Klicks von ganz offen (mittlere Einstellung)
- HSC: 8-12 Klicks von ganz offen (eher offener)
- Bei Durchschlagen: HSC schließen (mehr Klicks)
- Bei zu hartem Gefühl: HSC öffnen (weniger Klicks)
Volume Spacer (Progression)
Viele Doppelbrückengabeln ermöglichen Anpassung der Progression durch Volume Spacer (auch Tokens genannt).
Mehr Spacer (progressiver):
- Anfangs weich, am Ende sehr hart
- Weniger Durchschlagen
- Ideal für: Große Sprünge, schwere Fahrer, aggressive Fahrweise
Weniger Spacer (linearer):
- Konstante Federcharakteristik über gesamten Federweg
- Sensibleres Ansprechen
- Ideal für: Technische Strecken, leichte Fahrer
Standardeinstellung: Meist 1-2 Spacer werksseitig verbaut, anpassbar je nach Vorliebe.
Wartung und Service
Wartungsintervalle:
Kleine Wartung (selbst machbar) - alle 25-50 Betriebsstunden:
- Standrohre reinigen (nach jeder Fahrt!)
- Dichtungen mit Federgabelöl schmieren
- Luftdruck prüfen (Luftfedern verlieren langsam Druck)
- Schrauben auf festen Sitz prüfen (besonders Brücken-Schrauben!)
Mittlere Wartung - alle 50-100 Betriebsstunden:
- Öl in Dämpfer-Seite wechseln (Lower-Leg Service)
- Dichtungen prüfen und ggf. ersetzen
- Standrohre auf Kratzer inspizieren
Große Wartung (Fachwerkstatt empfohlen) - alle 100-200 Betriebsstunden:
- Kompletter Ölwechsel (Dämpfung und Federung)
- Alle Dichtungen erneuern
- Dämpfer-Bushings prüfen und ggf. ersetzen
- Luftkammer komplett reinigen und neu befetten
Service-Kosten:
- Kleine Wartung (selbst): 10-20€ (Öl, Fett)
- Lower-Leg Service (Werkstatt): 60-100€
- Großer Service (Werkstatt): 150-250€
Zeitaufwand (selbst):
- Reinigung/Schmierung: 15 Min
- Lower-Leg Service: 60-90 Min (mit Erfahrung)
Typische Probleme und Lösungen:
Problem 1: Gabel klappert beim Fahren
Ursachen:
- Lose Brücken-Schrauben (häufigste Ursache!)
- Verschlissene Bushings
- Zu viel Spiel im Gabelschaft
Lösungen:
- Alle Schrauben der oberen und unteren Brücke prüfen und nachziehen
- Anzugsmoment obere Brücke: 15-20 Nm (herstellerabhängig)
- Anzugsmoment untere Brücke: 15-20 Nm
- Vorbau-Schrauben: 5-8 Nm (nicht überdrehen!)
- Bei weiterem Klappern: Bushings in Werkstatt prüfen lassen
- Gabelschaft-Spiel: Steuersatz nachstellen
Problem 2: Gabel federt nicht mehr richtig aus (packt)
Ursachen:
- Zu viel Rebound-Dämpfung
- Altes, zähes Öl in der Dämpfung
- Defekte Dämpfer-Dichtungen
Lösungen:
- Rebound-Einstellung öffnen (gegen Uhrzeigersinn)
- Falls keine Besserung: Service fällig (Ölwechsel)
- Bei starkem “Packen”: Werkstatt aufsuchen (Dämpfer defekt)
Problem 3: Gabel schlägt durch
Ursachen:
- Zu wenig Luftdruck (Sag über 30%)
- Zu offene HSC-Dämpfung
- Zu wenig Volume Spacer
Lösungen:
- Sag messen und Luftdruck erhöhen (Ziel 25-30%)
- HSC-Dämpfung schließen (mehr Klicks)
- Volume Spacer hinzufügen (erhöht Progression)
Problem 4: Gabel verliert Luftdruck
Ursachen:
- Normale Diffusion (Luft entweicht langsam durch Dichtungen)
- Defekte Luftkammer-Dichtung
- Ventilschaft undicht
Lösungen:
- Regelmäßig Luftdruck prüfen (alle 5-10 Fahrten)
- Bei schnellem Druckverlust (mehr als 10 PSI/Woche): Service nötig
- Ventilschaft-Dichtung prüfen und ggf. ersetzen
Problem 5: Quietschende oder knarzende Geräusche
Ursachen:
- Trockene Standrohre/Dichtungen
- Schmutz in den Dichtungen
- Kratzer auf Standrohren
Lösungen:
- Standrohre gründlich reinigen
- Dichtungen mit Federgabelöl schmieren
- Nach jeder Fahrt: Standrohre abwischen und ölen
- Bei Kratzern auf Standrohren: Austausch erforderlich (teuer: 300-500€)
Kompatibilität und Einbau
Kann ich eine Doppelbrückengabel in jeden Rahmen einbauen?
Nein! Doppelbrückengabeln passen nur in dafür ausgelegte Rahmen. Hier die Gründe:
1. Steuerrohr-Länge:
- Doppelbrückengabeln haben sehr langen Gabelschaft (ca. 250mm)
- Normale MTB-Rahmen haben zu kurzes Steuerrohr für obere Brücke
- Nur DH-Rahmen haben ausreichend langes Steuerrohr
2. Geometrie:
- Doppelbrückengabeln verändern Lenkwinkel drastisch
- DH-Rahmen sind für flacheren Lenkwinkel (63-65°) ausgelegt
- Trail-/Enduro-Rahmen würden zu flach werden (unlenkbar)
3. Rahmenstabilität:
- Kräfte der Doppelbrücke sind enorm
- Normale Rahmen sind dafür nicht ausgelegt (Bruchgefahr!)
4. Steckachsen-Aufnahme:
- Doppelbrückengabeln nutzen 20mm oder 25mm Steckachse
- Viele normale Rahmen haben nur 15mm Aufnahme
Voraussetzungen für Doppelbrückengabel:
- Dedizierter DH-Rahmen (z.B. YT Tues, Commencal Supreme, Santa Cruz V10)
- Steuerrohr: Mindestens 150mm Länge
- Steckachsen-Standard: 20mm oder 25mm kompatibel
- Lenkwinkel: 63-65° (flach)
Kann ich mein Enduro-Bike umbauen?
Technisch: Nein, nicht empfohlen und meist nicht möglich
Gründe:
- Steuerrohr zu kurz
- Geometrie würde zerstört
- Rahmen nicht für Belastungen ausgelegt
Alternative: Große Einfachbrückengabel mit viel Federweg (z.B. Fox 38 mit 180mm, RockShox Zeb mit 180mm)
Vorteile der Doppelbrückengabel
- Enorme Stabilität bei Sprüngen und Landungen (kein Verwindung)
- Hohe Spurtreue in steilem und ruppigem Gelände
- Optimaler Federweg für Downhill und Bikeparks (180-220mm)
- Kein Flexen bei harten Bremsvorgängen oder Kurvenkräften
- Langlebigkeit bei extremer Belastung (robuster als Einfachbrücke)
- Bessere Kontrolle bei hohen Geschwindigkeiten (40+ km/h)
- Sichere Landungen bei großen Drops (3+ Meter)
Nachteile der Doppelbrückengabel
- Höheres Gewicht (3-4kg vs. 2-2,5kg), weniger geeignet für Touren oder Anstiege
- Eingeschränkter Lenkeinschlag durch die obere Brücke (ca. 45° statt 90°, erschwert enge Kurven und Wenden)
- Teurer in Anschaffung (1.000-2.000€) und Wartung (150-250€ pro Service)
- Nur für DH-Rahmen kompatibel (nicht nachrüstbar an normale Bikes)
- Weniger vielseitig (ausschließlich bergab, nicht für Touren)
- Komplexere Wartung (mehr Bauteile, höherer Aufwand)
Einsatzgebiet
Die Doppelbrückengabel ist vor allem für Downhill-Bikes unverzichtbar. Sie ist das Herzstück jedes DH-Setups und ermöglicht erst die Fahrweise, für die diese Bikes gebaut sind: maximale Geschwindigkeit bergab, große Sprünge, harte Landungen.
Ideal für:
Downhill-Racing:
- UCI-Weltcup Strecken
- Bikepark-Strecken (schwarz/rot)
- Geschwindigkeiten 40-70 km/h bergab
- Sprünge und Drops 2-5 Meter
- Maximale Sicherheit und Kontrolle gefordert
Freeride:
- Große Sprünge und Tricks
- Northshore (Holzkonstruktionen)
- Urban DH
- Slopestyle-Elemente
Bikepark:
- Regelmäßige Bikepark-Besuche (wöchentlich/monatlich)
- Hauptsächlich Liftnutzung
- Fokus auf Abfahrt, kein Interesse am Klettern
Weniger geeignet für:
Enduro:
- Zu schwer für Anstiege
- Eingeschränkter Lenkeinschlag unpraktisch
- Moderne Einfachbrücken-Gabeln (Fox 38, Zeb) ausreichend steif
- Ausnahme: Sehr aggressive Enduro-Fahrer mit 90%+ bergab können kleine Doppelbrücke erwägen
All-Mountain/Trail:
- Viel zu schwer und überdimensioniert
- Federweg nicht nutzbar
- Geometrie passt nicht
Alltag/Touren:
- Völlig überdimensioniert
- Gewicht macht keinen Spaß beim Fahren
Kaufberatung: Welche Doppelbrückengabel?
Nach Budget:
Einsteiger (900-1.200€):
- RockShox Boxxer Select+ (900-1.100€) - Empfehlung für Einsteiger
- Marzocchi Bomber 58 (900-1.200€)
- Für: Gelegenheits-Bikepark-Fahrer, erste DH-Erfahrungen
- Ausreichend Performance für Anfänger und Fortgeschrittene
Fortgeschritten (1.200-1.600€):
- RockShox Boxxer Ultimate (1.200-1.500€) - Preis-Leistungs-Sieger
- Fox 40 Float (1.600-1.900€)
- Für: Regelmäßige Bikepark-Fahrer, ambitionierte DH-Fahrer
- Beste Balance aus Preis, Gewicht und Performance
Profi/Racing (1.600€+):
- Fox 40 Float GRIP2 (1.700-1.900€)
- RockShox Boxxer World Cup (1.600-1.900€)
- Öhlins DH38 (1.800-2.200€)
- Für: Rennen, maximale Performance, keine Kompromisse
- Jedes Gramm und jede Einstellmöglichkeit zählt
Nach Fahrstil:
Bikepark-Stammgast (kein Racing):
- Marzocchi Bomber 58 - Robust, günstig, wartungsarm
DH-Rennen (UCI/Hobby):
- Fox 40 Float GRIP2 oder RockShox Boxxer World Cup: Leicht, präzise
Freeride/Slopestyle:
- RockShox Boxxer Ultimate - Gute Balance, vielseitig
Budget-bewusst:
- Gebrauchte Fox 40 oder Boxxer (600-900€): Auf Service-Historie achten!
Luft vs. Stahlfeder:
Luftfeder (empfohlen für die meisten):
- Leichter
- Einfach einstellbar (Luftdruck)
- Progressiv (am Ende härter = Durchschlagschutz)
- Ideal für: 90% der Fahrer
Stahlfeder (Coil):
- Schwerer (+400-600g)
- Linearer (konstante Federcharakteristik)
- Sensibler (spricht minimal besser an)
- Federhärte nur durch Federtausch änderbar
- Ideal für: Schwere Fahrer (90kg+), Racing-Puristen, Fahrer die Linearität bevorzugen
Häufige Fragen zur Doppelbrückengabel
Was ist der Unterschied zwischen Doppelbrückengabel und Einfachbrückengabel?
Eine Doppelbrückengabel hat zwei Brücken (eine über dem Rad, eine am Steuerrohr), was sie deutlich steifer und stabiler macht. Einfachbrückengabeln haben nur die untere Brücke. Doppelbrücken sind schwerer (3-4kg vs 2-2,5kg), teurer (1.000€+ vs 400€+), bieten aber mehr Federweg (180-220mm) und sind für Downhill unverzichtbar.
Kann ich eine Doppelbrückengabel in mein Enduro-Bike einbauen?
Nein, das ist nicht möglich und nicht empfohlen. Doppelbrückengabeln passen nur in dedizierte DH-Rahmen mit ausreichend langem Steuerrohr. Ein Umbau würde die Geometrie zerstören und der Rahmen wäre nicht für die Belastungen ausgelegt. Für Enduro nutze eine große Einfachbrückengabel wie Fox 38 oder RockShox Zeb mit 180mm.
Wie viel kostet eine gute Doppelbrückengabel?
Einstiegsmodelle kosten 900-1.200€ (RockShox Boxxer Select+, Marzocchi Bomber 58), Mittelklasse 1.200-1.600€ (RockShox Boxxer Ultimate, Fox 40) und High-End-Modelle 1.600-2.200€ (Fox 40 GRIP2, Öhlins DH38). Für ambitionierte Bikepark-Fahrer ist die Boxxer Ultimate (ca. 1.300€) der beste Kompromiss.
Wie stelle ich den Sag bei einer Doppelbrückengabel ein?
Ziel sind 25-30% Sag für Downhill. Bei 200mm Federweg also 50-60mm Einfederung im Sitzen. O-Ring nach unten schieben, in voller Ausrüstung auf Bike setzen, vorsichtig absteigen, O-Ring-Position messen. Bei zu wenig Sag Luftdruck reduzieren, bei zu viel Sag erhöhen (in 5-10 PSI Schritten).
Wie oft muss eine Doppelbrückengabel gewartet werden?
Kleine Wartung (Reinigung, Schmierung) alle 25-50 Betriebsstunden selbst machbar. Lower-Leg Service (Ölwechsel unten) alle 50-100 Stunden empfohlen (60-100€ Werkstatt). Großer Service (kompletter Ölwechsel, alle Dichtungen) alle 100-200 Stunden (150-250€ Werkstatt). Bei intensiver Bikepark-Nutzung eher am unteren Ende der Intervalle.
Fox 40 oder RockShox Boxxer: Was ist besser?
Beide sind exzellent. Fox 40 hat etwas sensibleres Ansprechen (Kashima), ist aber teurer (1.600€+ vs 1.200€+). Boxxer Ultimate bietet besseres Preis-Leistungs-Verhältnis und ist minimal leichter. Fox ist Status-Symbol im DH, Boxxer der Preis-Leistungs-Favorit. Für Racing/Profis: Fox 40. Für ambitionierte Hobbyfahrer: Boxxer Ultimate.
Brauche ich wirklich eine Doppelbrückengabel oder reicht eine große Einfachbrücke?
Wenn du hauptsächlich Bikepark fährst (70%+ bergab), große Sprünge machst (2m+) oder DH-Rennen fährst: Ja, Doppelbrücke lohnt sich. Für Enduro, Trail oder gelegentliche Bikepark-Besuche reicht eine moderne 38mm Einfachbrückengabel (Fox 38, RockShox Zeb) mit 180mm völlig aus. Die sind fast so steif, deutlich leichter und vielseitiger.
Was bedeuten die Bezeichnungen GRIP2, Charger 2.1 usw.?
Das sind die Dämpfungssysteme: Fox GRIP2 = High-End-Dämpfung mit separater Low/High-Speed Compression und Rebound. RockShox Charger 2.1 = Vergleichbares System zu GRIP2. Fox GRIP = Einfachere Version (nur eine Compression-Einstellung). Charger RC = Basis-Version. Je komplexer, desto feiner einstellbar, aber auch teurer.
Kann ich den Federweg meiner Doppelbrückengabel ändern?
Ja, bei den meisten Modellen durch Spacer im Inneren. Fox 40 z.B. von 178mm bis 203mm anpassbar, Boxxer von 180mm bis 200mm. Erfordert teilweise Demontage und ist nicht bei allen Modellen möglich. Prüfe Herstellerangaben. Ändert auch die Geometrie des Bikes (flacher Lenkwinkel bei mehr Federweg).
Lohnt sich eine gebrauchte Doppelbrückengabel?
Ja, wenn Service-Historie bekannt und Gabel gut gepflegt. Gebrauchte Fox 40 oder Boxxer gibt es ab 600-900€ (statt 1.200€+ neu). Wichtig prüfen: Kratzer auf Standrohren (Ausschlusskriterium!), wann letzter Service, wie viele Betriebsstunden, keine Unfallschäden. Budget für sofortigen Service einplanen (150-250€).
Ist eine Doppelbrückengabel mit Stahlfeder besser als mit Luftfeder?
Nicht generell “besser”, sondern anders. Stahlfeder ist linearer (konstante Federcharakteristik), sensibler bei kleinen Schlägen, aber schwerer (+400-600g) und nur durch Federtausch einstellbar. Luftfeder ist leichter, progressiv (Durchschlagschutz), einfach einstellbar. Für 90% der Fahrer ist Luft die bessere Wahl. Coil nur für schwere Fahrer (90kg+) oder Puristen.
Warum ist der Lenkeinschlag bei Doppelbrückengabeln eingeschränkt?
Die obere Brücke stößt bei zu starkem Lenkeinschlag gegen den Rahmen oder die Bremsleitungen. Maximaler Lenkeinschlag ca. 45° (statt 90° bei Einfachbrücke). In der Praxis im DH-Einsatz kein Problem, da bei hohen Geschwindigkeiten keine engen Wendungen gefahren werden. Kann beim Rangieren oder Schieben umständlich sein.