Ein Kurbelsatz, auch Kurbelgarnitur oder im Englischen Crankset genannt, ist eine zentrale Komponente des Fahrradantriebs. Er verbindet die Pedale mit der Kette und überträgt deine Tretkraft auf das Hinterrad. Ohne einen funktionierenden Kurbelsatz würde kein Fahrrad vorwärtskommen.
Ein Kurbelsatz besteht aus mehreren Hauptkomponenten: Zwei Kurbeln (auch Kurbelarme genannt), die links und rechts an der Tretlagerachse befestigt sind. Das Kettenblatt oder die Kettenblätter, die fest mit der rechten Kurbel verbunden sind und die Kette antreiben. Die Kurbelschrauben oder Kurbelbefestigung, die die Kurbeln an der Achse fixieren. Bei manchen Systemen gehören auch die Tretlagerachse (Welle) und das Innenlager zum Kurbelsatz, bei anderen werden diese separat verkauft.
Die Länge der Kurbelarme liegt typischerweise zwischen 165 und 180 Millimetern, gemessen von der Mitte des Tretlagers bis zur Mitte des Pedalgewindes. Die richtige Länge hängt von deiner Körpergröße und deinem Einsatzbereich ab.
Der Kurbelsatz wandelt die auf- und abwärts gerichtete Tretbewegung deiner Beine in eine kreisförmige Drehbewegung um. Diese Drehung treibt über die Kette das Hinterrad an. Die Länge der Kurbel beeinflusst dabei die Hebelwirkung: Längere Kurbeln erzeugen bei gleicher Kraft mehr Drehmoment (besser für steile Anstiege), erfordern aber auch einen größeren Bewegungsradius. Kürzere Kurbeln ermöglichen eine höhere Trittfrequenz, besonders wichtig bei Zeitfahren oder Triathlon.
Die Anzahl und Größe der Kettenblätter bestimmt zusammen mit der Kassette am Hinterrad die verfügbaren Übersetzungen. Moderne Mountainbikes setzen meist auf 1×-Systeme (ein Kettenblatt), während Rennräder oft 2×-Systeme (zwei Kettenblätter) nutzen. Ältere Trekking- und Citybikes haben häufig 3×-Systeme (drei Kettenblätter).
1×-Kurbelsätze (Single Chainring): Der moderne Standard bei Mountainbikes und zunehmend auch bei Gravel-Bikes. Ein einzelnes Kettenblatt vorne, kombiniert mit einer breiten Kassette hinten (10-50 Zähne oder ähnlich). Vorteile: Einfacher, leichter (kein Umwerfer, etwa 100-200 Gramm Ersparnis), weniger Wartung, klarere Kettenlinie. Nachteile: Größere Sprünge zwischen den Gängen, nicht ideal für Rennrad-Einsätze mit sehr feiner Gangabstufung. Typisches Kettenblatt: 30-34 Zähne (MTB), 38-46 Zähne (Gravel/Road).
2×-Kurbelsätze (Double Chainring): Standard bei Rennrädern und sportlichen Gravel-Bikes. Zwei Kettenblätter vorne, meist in Kombinationen wie 50/34 Zähne (Compact), 52/36 Zähne (Semi-Compact) oder 53/39 Zähne (Standard). Vorteile: Feine Gangabstufung, große Bandbreite, ideal für gemischtes Terrain. Nachteile: Komplexer, schwerer (Umwerfer nötig), mehr Wartung. Gewicht: etwa 600-900 Gramm je nach Material.
3×-Kurbelsätze (Triple Chainring): Früher Standard, heute vor allem an Trekking-Rädern und günstigen Citybikes. Drei Kettenblätter, typisch 48/36/26 Zähne oder 50/39/30 Zähne. Vorteile: Sehr große Bandbreite, ideal für schwer beladene Tourenräder und steile Berge. Nachteile: Schwer (800-1.200 Gramm), komplex, viele Gangüberschneidungen, Umwerfer-Einstellung anspruchsvoll. Wird zunehmend durch 1×- und 2×-Systeme mit großen Kassetten ersetzt.
Die Wahl der richtigen Kurbellänge beeinflusst Komfort, Effizienz und Verletzungsrisiko erheblich.
165 mm: Für kleine Fahrer (unter 165 cm Körpergröße) oder spezielle Einsätze wie Zeitfahren, wo eine hohe Trittfrequenz wichtig ist. Auch bei Bikefitting manchmal empfohlen, um Kniebelastung zu reduzieren.
170 mm: Standard für Fahrer zwischen 165 und 175 cm. Häufigste Länge bei Rennrädern und Gravel-Bikes.
172,5 mm: Kompromiss, beliebt bei Fahrern um 175-180 cm.
175 mm: Standard für größere Fahrer (180-190 cm). Häufig bei Mountainbikes und Trekkingrädern.
177,5 mm und 180 mm: Für sehr große Fahrer (über 190 cm) oder spezielle Anwendungen. Mehr Hebelwirkung, aber auch größerer Bewegungsradius (kann in Kurven zu Bodenberührung führen).
Die richtige Länge ermittelt man durch Bikefitting oder Faustregeln: Schrittlänge in cm × 0,216 = Kurbellänge in mm. Bei Unsicherheit lieber zur kürzeren Kurbel greifen, besonders wenn Knieprobleme bestehen.
Aluminium (häufigste Material): Leicht, steif, preiswert. Standard bei den meisten Kurbelsätzen von Budget bis Mittelklasse. Gewicht: 600-800 Gramm (2×-System). Kosten: 50-300 Euro. Haltbarkeit: 20.000-50.000 Kilometer bei normaler Nutzung.
Carbon: Sehr leicht, sehr steif, teuer. Nur bei High-End-Kurbelsätzen. Gewicht: 450-650 Gramm (2×-System), Gewichtsersparnis etwa 150-200 Gramm gegenüber Alu. Kosten: 300-2.000 Euro. Vorteil: Reduziert rotierendes Gewicht, was sich beim Beschleunigen bemerkbar macht. Nachteil: Empfindlich gegen Schläge, teuer in der Reparatur.
Stahl: Schwer, aber robust und günstig. Heute nur noch bei sehr günstigen City- und Trekkingrädern zu finden. Gewicht: 900-1.300 Gramm. Kosten: 30-80 Euro.
Bauweisen: Moderne Kurbeln sind meist hohl gefräst (Aluminium) oder aus Carbon-Lagen gepresst, um Gewicht zu sparen. Günstige Kurbeln sind massiv gefräst oder gegossen, daher schwerer. Bei High-End-Modellen sind Kettenblätter und Kurbel oft aus einem Stück gefertigt oder mit speziellen Verbindungen (z.B. Shimano Hollowtech, SRAM DUB) für maximale Steifigkeit.
Ein kritischer Punkt beim Kurbelsatz ist die Kompatibilität mit dem Rahmen, bestimmt durch den Innenlager-Standard.
BSA (British Standard, 68mm oder 73mm): Klassischer Gewindestandard, sehr verbreitet. Innenlager wird in den Rahmen geschraubt. Vorteil: Einfach zu warten, robust, knarrt selten. Verwendung: Viele Road-, Gravel- und MTB-Rahmen.
Press-Fit (PF30, BB86, BB92, PF86, PF92): Innenlager wird eingepresst, nicht geschraubt. Verschiedene Durchmesser (30mm, 24mm). Vorteil: Leichterer Rahmen möglich, breitere Tretlagergehäuse = steifere Kurbeln. Nachteil: Anfällig für Knarzen, schwieriger zu warten. Verwendung: Viele moderne Carbon-Rennräder und MTBs.
BB30: Direktlager im Rahmen, 30mm-Achse. Cannondale-Standard, später von anderen übernommen. Vorteil: Sehr steif, leicht. Nachteil: Knarzt häufig, Lager direkt im Carbon (Austausch aufwendig).
GXP (SRAM): 24mm-Achse auf einer Seite, 22mm auf der anderen. SRAM-spezifisch. Funktioniert mit BSA und manchen Press-Fit-Gehäusen über Adapter.
DUB (SRAM, modern): 28,99mm-Achse (29mm), neuer SRAM-Standard. Kompatibel mit vielen Gehäusen über entsprechende Innenlager.
Hollowtech II (Shimano): 24mm-Achse, sehr verbreitet bei Shimano Road und MTB. Funktioniert mit BSA, Press-Fit über passende Innenlager.
Wichtig: Kurbelsatz und Rahmen müssen kompatibel sein. Adapter können helfen, aber nicht immer. Vor dem Kauf prüfen, welcher Standard am Rahmen verbaut ist!
Shimano (Japan): Marktführer. Wichtige Kurbelsätze: Road (Claris, Sora, Tiagra, 105, Ultegra, Dura-Ace), MTB (Deore, SLX, XT, XTR). Kosten: 50 Euro (Tourney) bis 800 Euro (Dura-Ace Carbon). Besonderheit: Hollowtech II-Technologie, sehr zuverlässig.
SRAM (USA): Innovativ, bekannt für 1×-Systeme. Wichtige Kurbelsätze: Road (Rival, Force, Red), MTB (NX, GX, X01, XX1). Kosten: 80 Euro (NX) bis 900 Euro (XX1 Eagle Carbon). Besonderheit: DUB-Achse, Carbon-Kurbeln bei X01/XX1.
Campagnolo (Italien): Tradition im Rennradbereich. Gruppen: Centaur, Chorus, Record, Super Record. Kosten: 150 Euro (Centaur) bis 1.200 Euro (Super Record). Besonderheit: Edle Verarbeitung, nur mit Campagnolo-Komponenten kompatibel.
FSA, Race Face, Rotor: Drittanbieter mit guten Preis-Leistungs-Verhältnissen oder speziellen Lösungen (z.B. Rotor mit ovalen Kettenblättern).
Kurbelsätze sind langlebig, aber nicht wartungsfrei. Die Kettenblätter verschleißen durch die ständige Reibung mit der Kette. Symptome: Zähne werden spitz (Haifischzahn-Form), Kette springt unter Last. Lebensdauer: 10.000-30.000 Kilometer je nach Pflege, Belastung und Material.
Das Innenlager verschleißt ebenfalls. Symptome: Knarzen, raues Laufgefühl, seitliches Spiel. Lebensdauer: 5.000-20.000 Kilometer (Press-Fit kürzer, BSA länger). Austausch: 15-50 Euro Material, 20-40 Euro Werkstatt.
Pflege: Kurbeln sauber halten, Kettenblätter regelmäßig reinigen. Innenlager-Schrauben auf festen Sitz prüfen (Drehmoment beachten, meist 35-50 Nm). Bei Knarzen: Innenlager prüfen, eventuell Schrauben nachziehen oder Lager tauschen.
| Typ | Kettenblätter | Gewicht | Kosten | Einsatzbereich | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1× | 1 (30-46T) | 500-700g | 80-600€ | MTB, Gravel | Einfach, leicht, wenig Wartung | Größere Gangsprünge |
| 2× | 2 (50/34T o.ä.) | 600-900g | 100-800€ | Rennrad, Gravel | Feine Abstufung, große Bandbreite | Komplexer, schwerer |
| 3× | 3 (48/36/26T o.ä.) | 800-1.200g | 50-300€ | Trekking, City | Sehr große Bandbreite | Schwer, komplex, Überschneidungen |
Welche Kurbellänge brauche ich? Faustregel: Schrittlänge × 0,216 = Kurbellänge. Beispiel: 80 cm Schrittlänge × 0,216 = 172,8 mm, also 172,5 mm oder 175 mm Kurbel. Kleine Fahrer (unter 170 cm): 165-170 mm. Mittlere Fahrer (170-185 cm): 170-175 mm. Große Fahrer (über 185 cm): 175-180 mm. Bei Knieproblemen: Kürzere Kurbel probieren (5mm weniger kann helfen).
Kann ich jeden Kurbelsatz an meinen Rahmen montieren? Nein, der Innenlager-Standard muss passen. Prüfe: Welchen Standard hat dein Rahmen? (BSA, Press-Fit, BB30 etc.). Welchen Standard hat der Kurbelsatz? (Shimano Hollowtech II, SRAM DUB, etc.). Manchmal helfen Adapter, aber nicht immer. Am sichersten: Kurbelsatz mit gleichem Standard wie bisher kaufen. Bei Unsicherheit: Fachhändler fragen.
Wann muss ich meinen Kurbelsatz wechseln? Kettenblätter: Wenn Zähne spitz/abgenutzt sind oder Kette springt. Kurbeln selbst: Selten, nur bei Schäden (Risse, Verbiegungen nach Sturz) oder wenn du upgraden willst. Innenlager: Bei Knarzen, Spiel oder rauem Lauf. Kompletter Kurbelsatz-Tausch macht Sinn: Beim Upgrade auf andere Übersetzung (z.B. von 3× auf 1×), bei defekten Kurbeln, bei Wechsel der Schaltgruppe.
Was kostet ein Kurbelsatz? Budget (Aluminium, 3×): 50-100 Euro. Mittelklasse (Aluminium, 2× oder 1×): 100-300 Euro. High-End (Alu oder Carbon, 1× oder 2×): 300-900 Euro. Top-Modelle (Carbon, leicht): 800-2.000 Euro. Dazu: Innenlager 15-80 Euro (je nach Standard). Montage Werkstatt: 30-60 Euro. Tipp: Bei Gruppenwechsel oft günstiger, komplette Gruppe zu kaufen statt Einzelteile.
Sind teurere Kurbelsätze wirklich besser? Ja, in mehreren Punkten: Gewicht (High-End 200-400g leichter), Steifigkeit (bessere Kraftübertragung), Haltbarkeit (hochwertigere Materialien, bessere Lager), Optik (edleres Finish). Für Hobbyfahrer: Mittelklasse (150-300 Euro) bietet bestes Preis-Leistungs-Verhältnis. Für Wettkampf: High-End lohnt sich (jedes Gramm zählt). Für Alltag: Budget (50-150 Euro) reicht völlig.
Kann ich ovale Kettenblätter verwenden? Ja, ovale oder elliptische Kettenblätter (z.B. von Rotor, Absolute Black) passen auf viele Standard-Kurbelsätze. Idee: Optimieren den Kraftfluss im Pedaltritt, reduzieren tote Punkte. Vorteil: Manche Fahrer berichten von weniger Kniebelastung, gleichmäßigerem Tritt. Nachteil: Gewöhnungsbedürftig, nicht für jeden spürbar besser, etwas teurer (50-120 Euro). Probieren lohnt sich bei Knieproblemen oder Optimierungswunsch.
Was ist der Unterschied zwischen Kurbelsatz und Tretkurbel? Kurbelsatz/Kurbelgarnitur: Komplettes System aus beiden Kurbeln, Kettenblatt(ern), Befestigung, manchmal Innenlager. Tretkurbel: Nur eine einzelne Kurbel (links oder rechts). Begriff wird oft synonym verwendet, technisch ist “Kurbelsatz” die Gesamtheit. Beim Kauf: Meist wird der komplette Satz verkauft, Einzelkurbeln nur als Ersatzteile.
Ein Kurbelsatz-Upgrade kann sich lohnen, wenn du von 3× auf 1× oder 2× wechseln willst (Gewichtsersparnis, Einfachheit), deutlich Gewicht sparen möchtest (Carbon statt Alu spart 150-300g), eine andere Übersetzung brauchst (z.B. kleineres Kettenblatt für bergiges Terrain) oder deine aktuelle Kurbel verschlissen oder beschädigt ist.
Beachte: Bei Wechsel des Herstellers (z.B. Shimano zu SRAM) brauchst du meist auch neues Innenlager. Bei Wechsel von 2× auf 1× oder umgekehrt brauchst du evtl. neue Schalthebel und Umwerfer. Prüfe die Gesamtkosten vor dem Upgrade.
Ein gut gewählter Kurbelsatz ist eine Investition, die sich über Jahre auszahlt. Achte auf Qualität, Kompatibilität und deine spezifischen Bedürfnisse, dann wirst du lange Freude an deinem Antrieb haben.