Schaltzüge sind dünne Stahlseile, die die Bewegung des Schalthebels mechanisch auf das Schaltwerk hinten und den Umwerfer vorne übertragen. Sie laufen durch Außenhüllen, die den Zug führen und schützen. Zug und Hülle bilden zusammen das Übertragungselement zwischen Schalthebel und Schaltkomponente.
Schaltzüge gibt es nur bei mechanischen Schaltungen. Elektronische Systeme wie Shimano Di2 oder SRAM AXS übertragen das Schaltsignal elektrisch; dort entfallen Züge und Hüllen als Verschleißteile.
Beim Hochschalten zieht der Schalthebel den Innenzug und erhöht die Spannung. Das Schaltwerk oder der Umwerfer folgt der Zugbewegung und verschiebt die Kette auf ein anderes Ritzel oder Kettenblatt. Beim Herunterschalten gibt der Hebel den Zug frei: Eine Feder im Schaltwerk oder Umwerfer entspannt sich und bewegt die Kette in die entgegengesetzte Richtung.
Das Zusammenspiel von Zugspannung und Federkraft bedeutet: Wenn der Zug zu wenig Spannung hat, reagiert das Hochschalten träge. Wenn die Zugspannung zu hoch ist, arbeitet die Feder gegen zu viel Widerstand und das Herunterschalten wird träge. Beides zeigt sich als unpräziser Gangwechsel und lässt sich über den Einstellnippel am Schalthebel oder am Schaltwerk korrigieren, bevor Zug oder Hülle getauscht werden müssen.
Schaltzüge haben einen kleineren Durchmesser als Bremszüge, weil sie geringere Zugkräfte übertragen müssen. Standard-Schaltzüge haben 1,1 bis 1,2 Millimeter Kerndurchmesser; Shimano-Züge für Di2-kompatible mechanische Systeme können abweichen.
Außenhüllen für Schaltungen unterscheiden sich grundlegend von Bremshüllen: Schalthüllen haben ein axiales Faserbündel im Inneren, das Längskompression verhindert. Bremshüllen sind spiralgewickelt und dürfen sich unter Drucklast leicht komprimieren. Wer aus Versehen Bremshülle als Schalthülle verwendet, bemerkt das an undefinierten, weichen Schaltvorgängen, weil die Hülle die Zugspannung nicht korrekt überträgt.
Züge und Hüllen sind Verschleißteile. Typische Wechselintervalle bei normaler Nutzung liegen bei zwei bis drei Jahren oder nach starker Schlechtwetterbenutzung.
Konkrete Anzeichen für notwendigen Tausch:
Ausgefranste Züge an der Klemmung am Schaltwerk oder Umwerfer sind das deutlichste Zeichen. Ein ausgefranster Zug reißt unter Belastung ohne weitere Vorwarnung.
Rostflecken auf dem Innenzug an den Stellen, wo er aus der Hülle tritt, zeigen, dass Wasser eingedrungen ist. Obwohl der Zug noch funktioniert, ist die Hülle innen bereits korrodiert.
Gangwechsel, die sich nach Nachstellen der Zugspannung kurz verbessern und dann wieder schlechter werden, deuten auf eine Hülle hin, die innen zusammengebrochen ist und die Spannung nicht mehr gleichmäßig überträgt.
An den offenen Laufstrecken, wo der Zug ohne Hülle läuft, sammelt sich Schmutz direkt am Stahldraht. Diese Stellen regelmäßig abwischen und dünn mit Kettenöl oder einem speziellen Zug-Schmiermittel behandeln.
In die Hüllenenden einen Tropfen dünnflüssiges Öl geben und den Schalthebel mehrfach betätigen, damit das Öl durch die Hülle zieht. Das verlängert die Lebensdauer der Hülle und reduziert die Reibung spürbar.
Neue Züge dehnen sich in den ersten Fahrten leicht, weshalb nach dem Tausch eine Nachstellung der Zugspannung nach der ersten längeren Ausfahrt normal und nötig ist.