Das Schaltwerk ist das Bauteil am Hinterrad, das die Kette beim Gangwechsel von einem Ritzel auf ein anderes bewegt. Es hängt am Schaltauge des Rahmens, führt die Kette durch zwei Leitrollen und verschiebt sie durch eine Kombination aus Federspannung und Zugbewegung seitlich über die Kassette. Gleichzeitig gleicht der Käfig mit den Leitrollen die unterschiedlichen Kettenlängen beim Wechsel zwischen großen und kleinen Ritzeln aus.
Mechanische Schaltwerke werden über Bowdenzüge betätigt. Der Schalthebel spannt oder entspannt den Zug, das Schaltwerk folgt der Zugbewegung. Einstellung und Funktion hängen direkt von der Qualität und dem Zustand von Zug und Hülle ab.
Elektronische Schaltwerke wie Shimano Di2, SRAM AXS oder Campagnolo EPS empfangen ein digitales Signal vom Schalthebel und bewegen sich per Motor. Der Gangwechsel ist präziser und wiederholbar, weil kein Zug nachlässt oder verschmutzt. Nachteil: Akku muss geladen werden, und die Systemkosten sind deutlich höher.
| Eigenschaft | Mechanisch | Elektronisch |
|---|---|---|
| Betätigung | Bowdenzug | Motor per Funksignal oder Kabel |
| Präzision | Gut, zug- und wartungsabhängig | Sehr hoch, konstant |
| Wartung | Zug und Hülle regelmäßig prüfen | Akku laden, Software-Updates |
| Einstieg Preis | Ab etwa 20 Euro | Ab etwa 200 Euro |
| Typischer Einsatz | Einsteiger bis Highend | Highend, Rennsport |
Schaltwerk und Kassette müssen für die gleiche Gangzahl ausgelegt sein. Ein 11-fach-Schaltwerk zieht den Zug in anderen Schritten als ein 10-fach-Schaltwerk und passt deshalb nicht an eine 10-fach-Kassette, auch nicht vom gleichen Hersteller. Shimano, SRAM und Campagnolo sind untereinander nicht kompatibel.
Innerhalb eines Herstellers gibt es zusätzlich Gruppen: Shimano unterscheidet zwischen Road und MTB, und auch innerhalb dieser Kategorien sind nicht alle Komponenten mischbar. SRAM trennt zwischen Eagle (1-fach MTB), Road und Rival. Wer ein Schaltwerk tauscht, sollte Hersteller, Gangzahl und Produktlinie abgleichen, bevor er kauft.
Außerdem relevant: die maximale Ritzelgröße. Jedes Schaltwerk hat eine Angabe, bis zu welchem Ritzel es die Kette führen kann, zum Beispiel 42 oder 51 Zähne. Wer eine größere Kassette montiert als das Schaltwerk erlaubt, riskiert, dass der Käfig ins Ritzel schlägt.
Das Schaltwerk sitzt am Schaltauge, einem dünnen Aluminiumfortsatz am Rahmen. Bei einem Sturz oder Aufprall biegt sich meist das Schaltauge, nicht das Schaltwerk selbst. Das ist gewollt: Das Schaltauge ist als Sollbruchstelle konstruiert und kann getauscht werden; ein beschädigter Rahmen wäre teurer.
Ob das Schaltauge verbogen ist, erkennt man am einfachsten von hinten: Das Schaltwerk sollte parallel zur Kassette hängen, nicht nach innen oder außen gekippt. Ein gebogenes Schaltauge lässt sich mit einem Richtwerkzeug korrigieren, sofern der Bogen nicht zu stark ist. Bei Carbonrahmen sollte das ein Mechaniker übernehmen, weil zu viel Kraft am Schaltauge die Carbonstruktur im Ausfallende beschädigen kann.
Symptome eines verbogenen Schaltauges: Kette springt auf bestimmten Ritzeln, Schaltwerk schleift an der Kette, Gangwechsel funktioniert nur in eine Richtung sauber.
Nach jedem Tausch und regelmäßig bei mechanischen Schaltungen sind drei Einstellpunkte relevant:
Die Endanschlagschrauben (H und L) begrenzen die Bewegung des Schaltwerks nach innen und außen. Sind sie falsch eingestellt, wandert die Kette über das kleinste oder größte Ritzel hinaus und fällt ab.
Die Zugspannung bestimmt, wie schnell das Schaltwerk auf den Schalthebel reagiert. Zu wenig Spannung macht das Hochschalten träge; zu viel Spannung macht das Herunterschalten träge. Eingestellt wird über den Einstellnippel am Schalthebel oder am Schaltwerk.
Der B-Spannungsschrauben regelt den Abstand zwischen oberem Leitrad und Kassette. Zu geringer Abstand führt zu Geräuschen und schlechtem Schalten auf dem größten Ritzel; zu großer Abstand macht die Gangwechsel ungenau.