Kurbelgarnitur (auch Kurbelsatz oder Crankset genannt) bezeichnet die Gesamtheit aus Tretkurbeln, Kettenblättern und Tretlager am Fahrrad, die die Pedalkraft auf die Kette und damit auf das Hinterrad überträgt. Die Kurbelgarnitur ist eine zentrale Komponente des Antriebssystems und maßgeblich für die Kraftübertragung und Schaltperformance verantwortlich.
Technische Details:
Die Kurbelgarnitur besteht aus folgenden Hauptkomponenten:
Kurbelarme: Zwei Hebelarme (meist 165-180 mm lang), an denen die Pedale befestigt werden. Linker und rechter Arm sind unterschiedlich (rechts mit Kettenblatt-Aufnahme).
Kettenblätter: Ein, zwei oder drei Zahnkränze an der rechten Kurbel. Größe bestimmt Übersetzung (z.B. 50/34 Zähne bei Rennrad-Kompaktkurbel).
Tretlagerachse (Spindle): Verbindet beide Kurbelarme und läuft durch das Tretlagergehäuse. Überträgt die Drehbewegung von links nach rechts.
Tretlager: Lagereinheit (meist Rillenkugellager), die die Rotation ermöglicht. Sitzt im Tretlagergehäuse des Rahmens.
Befestigungselemente: Schrauben (meist 8 mm Innensechskant), Keil (veraltet) oder Selbstsicherungssysteme (Shimano Hollowtech II) zur Montage.
Spider (optional): Aufnahme für Kettenblätter bei traditionellen Systemen (nicht bei Direct Mount).
| Eigenschaft | 1x (Einfach) | 2x (Zweifach) | 3x (Dreifach) |
|---|---|---|---|
| Kettenblätter | 1 (z.B. 32T) | 2 (z.B. 50/34T) | 3 (z.B. 48/36/26T) |
| Gewicht | 600-800 g | 700-900 g | 800-1.000 g |
| Preis | 80-400 € | 100-500 € | 50-250 € |
| Ganganzahl | 10-12 (hinten) | 20-24 (10-12 x 2) | 24-30 (8-10 x 3) |
| Übersetzungsbereich | Mittel (ca. 400-500%) | Groß (ca. 500-600%) | Sehr groß (ca. 600-700%) |
| Schaltung | Einfach (nur hinten) | Komplex (vorne + hinten) | Sehr komplex |
| Kettenlinie | Optimal (kein Schrägzug) | Gut | Problematisch (Schrägzug) |
| Wartung | Gering | Mittel | Hoch |
| Einsatz | MTB, Gravel, modern | Rennrad, Touring | Trekking, klassisch |
Trend: 1x-Kurbelgarnituren werden immer beliebter (einfacher, leichter, weniger Wartung). 3x fast ausgestorben (nur noch Trekking/Touring).
Einfach-Kurbelgarnitur (1x): Mit nur einem Kettenblatt (meist 30-46 Zähne), modern und leicht. Standard bei modernen MTBs und Gravelbikes. Vorteile: Einfach, leicht (600-800 g), keine Schaltprobleme vorne, optimale Kettenlinie. Nachteil: Kleinere Übersetzungsbandbreite als 2x.
Zweifach-Kurbelgarnitur (2x): Mit zwei Kettenblättern für breitere Übersetzungsbandbreite. Standard bei Rennrädern (50/34T oder 52/36T) und vielen Gravelbikes. Vorteile: Große Bandbreite, feinere Abstufungen. Nachteile: Schwerer (700-900 g), komplexer, Umwerfer nötig.
Dreifach-Kurbelgarnitur (3x): Mit drei Kettenblättern (z.B. 48/36/26T), klassisch bei Trekkingrädern und Reiserädern. Vorteile: Sehr große Bandbreite (Berg + Speed), viele Gänge. Nachteile: Schwer (800-1.000 g), komplexe Schaltung, schlechte Kettenlinie, fast ausgestorben.
Kompakt-Kurbelgarnitur: Rennrad-Kurbelgarnitur mit kleineren Kettenblättern als Standard (50/34T statt 53/39T). Leichter zu fahren bergauf, ideal für Hobby-Rennradler.
MTB-Kurbelgarnitur: Robuste Ausführung mit kürzeren Kurbelarmen (meist 170-175 mm statt 172,5-175 mm) für Bodenfreiheit. Oft 1x mit Direct Mount.
Aluminium (Standard):
Carbon (High-End):
Stahl (Einsteiger):
Die Kurbellänge wird von Pedal-Mitte zu Tretlager-Mitte gemessen:
165 mm: Kurze Kurbel für kleine Fahrer (<160 cm Körpergröße) oder spezielle Einsätze (Triathlon, Track). Vorteil: Höhere Trittfrequenz möglich, weniger Kniebelastung.
170 mm: Standard bei vielen Rennrädern und kleineren Rahmengrößen (160-175 cm Körpergröße). Häufigste Länge bei Rennrädern.
172,5 mm: Häufigste Länge für mittlere Rahmengrößen (170-185 cm). Standard bei vielen Komplett-Bikes.
175 mm: Standard für größere Fahrer (180-195 cm) und Mountainbikes. Mehr Hebelwirkung (mehr Kraft), aber langsamere Trittfrequenz.
180 mm und länger: Lange Kurbel für sehr große Fahrer (>195 cm) oder maximale Hebelwirkung. Selten (nur auf Anfrage oder Custom).
Faustregel: Beinlänge (cm) / 10 + 65 = Kurbellänge (mm). Beispiel: 85 cm Beinlänge → 85/10 + 65 = 150 mm (Formel nicht perfekt, nur Anhaltspunkt).
Der Q-Faktor ist der Abstand zwischen den Pedalen (außen gemessen). Typisch: 150-170 mm.
Kleinerer Q-Faktor (150-155 mm):
Größerer Q-Faktor (168-172 mm):
Wichtig: Q-Faktor beeinflusst Knie-Belastung und Ergonomie. Zu breiter Q-Faktor kann Knieprobleme verursachen.
BSA/Englisch (68 mm oder 73 mm breit):
Press Fit (BB30, PF30, BB92, BB86):
T47 (47 mm Durchmesser, 68/73 mm breit):
ISIS und Vierkant:
Herstellerspezifisch:
Direct Mount bezeichnet ein System, bei dem das Kettenblatt direkt auf die Kurbelgarnitur montiert wird, ohne separate Aufnahme-Spider. Diese Bauweise ermöglicht:
Direct Mount ist besonders bei modernen 1x-Kurbelgarnituren im Mountainbike-Bereich verbreitet. Standards: Shimano Direct Mount, SRAM Direct Mount (inkompatibel!).
| Hersteller | Modell | Typ | Gewicht | Preis | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| Shimano | Deore M6100 | 1x MTB | ca. 700 g | 100-150 € | Robust, zuverlässig |
| Shimano | 105 R7000 | 2x Road | ca. 800 g | 150-200 € | Standard Rennrad |
| Shimano | Dura-Ace R9200 | 2x Road | ca. 690 g | 450-550 € | Carbon, leicht |
| SRAM | GX Eagle DUB | 1x MTB | ca. 650 g | 180-220 € | Direct Mount |
| SRAM | Rival AXS | 2x Road | ca. 820 g | 350-400 € | Elektronisch |
| Campagnolo | Chorus | 2x Road | ca. 750 g | 300-400 € | Italienische Qualität |
Regelmäßig prüfen (monatlich):
Bei losen Kurbeln:
Bei Knackgeräuschen:
Kettenblätter:
Tretlager:
Was kostet eine Kurbelgarnitur? Einstieg: 50-100 € (Shimano Tourney, FSA Tempo). Mittelklasse: 150-250 € (Shimano 105, SRAM GX). High-End: 300-500 € (Shimano Dura-Ace, SRAM Red, Campagnolo Super Record). Carbon-Modelle deutlich teurer als Aluminium. 1x meist etwas günstiger als 2x (weniger Teile).
Wie lange hält eine Kurbelgarnitur? Kurbelarme: 20.000-50.000 km oder länger (praktisch unbegrenzt bei Alu/Carbon). Kettenblätter: 5.000-15.000 km (verschleißen früher). Tretlager: 10.000-30.000 km. Gepflegte Kurbelgarnituren halten sehr lange, nur Kettenblätter und Tretlager sind Verschleißteile.
Welche Kurbellänge ist richtig für mich? Faustregel: Körpergröße <170 cm → 170 mm, 170-185 cm → 172,5 mm, >185 cm → 175 mm. Oder: Beinlänge / 10 + 65 = Kurbellänge (Anhaltspunkt). Bei Knieproblemen: Kürzere Kurbel probieren. Längere Kurbel = mehr Kraft, kürzere Kurbel = höhere Trittfrequenz.
Was ist besser: 1x oder 2x Kurbelgarnitur? 1x: Einfacher, leichter (100-200 g), weniger Wartung, optimal für MTB/Gravel. Nachteil: Kleinere Übersetzungsbandbreite. 2x: Größere Bandbreite, feinere Abstufungen, besser für Rennrad/Touring. Nachteil: Komplexer, Umwerfer-Probleme. Trend: 1x wird immer beliebter.
Kann ich Kettenblätter einzeln wechseln? Ja, bei den meisten Kurbelgarnituren. Kettenblätter sind mit 4-5 Schrauben befestigt und einzeln wechselbar. Kosten: 20-80 € pro Kettenblatt (nach Qualität). Wichtig: Richtiges Lochkreismaß (BCD) beachten (z.B. 110 mm bei Kompaktkurbeln). Direct Mount: Nur kompatible Kettenblätter.
Was ist der Q-Faktor und warum ist er wichtig? Q-Faktor = Abstand zwischen den Pedalen (außen gemessen). Typisch: 150-170 mm. Beeinflusst Ergonomie und Knie-Belastung. Zu breiter Q-Faktor kann Knieprobleme verursachen (Knie nach außen gedrückt). Rennrad: 150-155 mm (schmal), MTB: 168-172 mm (breit für Bodenfreiheit).
Sind Carbon-Kurbelgarnituren besser als Aluminium? Carbon-Vorteile: 150-200 g leichter, steifer, dämpft Vibrationen. Nachteile: 2-3x teurer (300-500 € vs. 100-250 €), empfindlicher bei Stürzen/Kratzern. Lohnt sich für: Rennrad-Performance, Gewichtsoptimierung. Für 90% der Fahrer: Aluminium völlig ausreichend und preiswert.