Eine Stahlfederung, im Englischen Coil-Federung genannt, nutzt eine Schraubenfeder aus Stahl als Federelement in Gabeln oder HinterbaudĂ€mpfern. Sie ist das Ă€ltere der beiden gĂ€ngigen Federungsprinzipien am Fahrrad und wird trotz des Gewichtsnachteils gegenĂŒber der Luftfederung im abfahrtsorientierten Mountainbike-Bereich weiterhin bevorzugt eingesetzt.
Der Grund: Stahlfedern haben keine Luftdichtungen, die unter WÀrme und Belastung ihre Eigenschaften verÀndern. Das Federungssystem verhÀlt sich auf der zehnten Abfahrt genauso wie auf der ersten.
Rollt das Laufrad ĂŒber ein Hindernis, wird die Stahlfeder komprimiert und nimmt die StoĂenergie auf. Ist das Hindernis ĂŒberwunden, dehnt sie sich wieder aus und bringt das Fahrwerk in die Ausgangsposition zurĂŒck. Ohne DĂ€mpfung wĂŒrde die Feder unkontrolliert aufschaukeln; deshalb arbeitet sie immer mit einem ölbasierten DĂ€mpfersystem zusammen, das die Geschwindigkeit des Ein- und Ausfederns kontrolliert.
Ein wichtiger technischer Unterschied zur Luftfederung: Die Stahlfeder hat eine lineare Federkennlinie. Das bedeutet, der Widerstand steigt gleichmĂ€Ăig mit dem Federweg an. Luftfederungen lassen sich durch Volumenspacer progressiv auslegen, also so, dass der Widerstand am Ende des Federwegs deutlich stĂ€rker zunimmt. Wer ein berechenbares, gleichmĂ€Ăiges Ansprechverhalten bevorzugt, ist mit Stahl besser bedient. Wer mehr Progression und einen satten Endanschlag benötigt, greift eher zu Luft.
| Eigenschaft | Stahlfederung | Luftfederung |
|---|---|---|
| Ansprechverhalten | Sehr sensitiv, keine Losbrechkraft | Etwas trÀger durch Dichtungsreibung |
| Gewicht | Schwerer, je nach Feder 200 bis 400 Gramm Mehrgewicht | Deutlich leichter |
| Einstellbarkeit | FederhÀrte nur durch Federtausch Ànderbar | stufenlos per Pumpe anpassbar |
| Kennlinie | Linear | Progressiv einstellbar per Volumenspacer |
| TemperaturstabilitÀt | Konstant, keine hitzebedingten VerÀnderungen | Luftdruck sinkt bei KÀlte, steigt bei WÀrme |
| Wartungsaufwand | Gering, weniger Dichtungen | Höher, regelmĂ€Ăige Servicewartung empfohlen |
Der Gewichtsnachteil ist real: Eine Stahlfeder fĂŒr einen HinterbaudĂ€mpfer wiegt je nach FederhĂ€rte zwischen 250 und 500 Gramm; eine vergleichbare Luftkammer unter 100 Gramm. Im Downhill ist das irrelevant. Im Enduro-Einsatz, wo der Fahrer das Rad auch bergauf bewegt, ist es ein abwĂ€genswerter Faktor.
Die FederhÀrte einer Stahlfeder ist fest und wird in Newton pro Millimeter angegeben, zum Beispiel 400 lb/in oder 55 bis 65 Newtonmeter pro Millimeter bei HinterbaudÀmpfern. Wer seine Stahlfederung auf das eigene Körpergewicht abstimmen will, muss die richtige Feder kaufen. Faustregel: Der Sag, also das statische Einfedern unter dem Fahrergewicht, sollte beim Hinterbau zwischen 25 und 35 Prozent des Federwegs liegen. Passt das nicht mit der vorhandenen Feder, ist ein Federtausch nötig.
Hersteller wie Fox, RockShox und Ăhlins geben fĂŒr ihre DĂ€mpfer FederhĂ€rtenrechner auf ihren Websites an, die auf Fahrergewicht und Fahrstil basieren. Diese sind ein sinnvoller Ausgangspunkt, ersetzen aber das tatsĂ€chliche Einfahren auf der Strecke nicht.
Im Downhill ist die Stahlfederung nahezu Standard. Auf langen, rauen Abfahrten, bei hohen Geschwindigkeiten und unter hoher thermischer Belastung zeigt sie ihre StĂ€rken am deutlichsten. Auch im Enduro-Bereich setzen viele Fahrer bewusst auf Coil, weil das satte, direkte FahrgefĂŒhl und die Wartungsarmut den Gewichtsnachteil aufwiegen.
FĂŒr Cross-Country und Marathon ist die Stahlfederung weniger geeignet: Hier zĂ€hlt jedes Gramm, und die stufenlose Einstellbarkeit der Luftfederung ist auf langen Touren mit wechselndem GelĂ€nde ein echter Vorteil.