Was ist MIPS?
MIPS steht für Multi-directional Impact Protection System und bezeichnet eine Schutztechnologie in Fahrradhelmen, die Rotationskräfte beim Aufprall verringern soll. Entwickelt wurde sie 1996 in Stockholm, gemeinsam von Forschern der Königlich Technischen Hochschule KTH und des Karolinska-Instituts. Das Unternehmen MIPS AB entstand 2001, der erste Helm mit der Technologie kam 2007 auf den Markt: ein Reithelm. Seit 2010 ist MIPS auch in Fahrrad- und Skihelmen verbreitet.
MIPS ist keine Norm und kein Prüfsiegel, sondern eine lizenzierte Herstellertechnologie. Die gesetzliche Mindestanforderung für Fahrradhelme in Europa bleibt die Norm EN 1078, die jeder verkaufte Helm erfüllen muss, ob mit oder ohne MIPS.
Wie funktioniert MIPS?
Zwischen Kopf und Helmschale sitzt eine dünne, reibungsarme Zwischenschicht, meist gelb eingefärbt. Trifft der Helm schräg auf den Boden, kann sich die Schale für wenige Millisekunden gegen den Kopf verdrehen, statt die Drehbewegung direkt weiterzugeben. Nach Herstellerangabe sind das 10 bis 15 Millimeter Bewegung in alle Richtungen.
Das Vorbild ist der eigene Körper: Zwischen Schädel und Gehirn liegt eine Flüssigkeitsschicht, die genau diese Aufgabe übernimmt.
Warum sind Rotationskräfte gefährlich?
Ein Sturz mit dem Fahrrad endet selten mit einem senkrechten Aufprall. Meist trifft der Kopf schräg auf, und dabei entsteht eine Drehbewegung. Diese Rotation belastet das Gehirn anders als ein gerader Stoß: Gewebeschichten verschieben sich gegeneinander. Fachleute bringen solche Kräfte mit Gehirnerschütterungen und diffusen Verletzungen der Nervenbahnen in Verbindung.
Klassische Helme sind vor allem darauf ausgelegt, die Energie eines geraden Aufpralls zu dämpfen. Genau diese Lücke soll MIPS schließen.
Welche Vorteile bietet MIPS?
- Geringere Rotationsbeschleunigung im Labortest, gemessen mit standardisierten Schrägaufprallverfahren
- Kein Verzicht auf die übliche Dämpfung — MIPS ergänzt die EPS-Innenschale, ersetzt sie nicht
- Beim Tragen praktisch nicht spürbar
- Inzwischen in allen Preisklassen verfügbar, ab etwa 40 Euro aufwärts
Welche Nachteile hat MIPS?
- Aufpreis: je nach Modell 15 bis 25 Euro gegenüber der Variante ohne MIPS
- Mehrgewicht: meist unter 50 Gramm, bei Kinderhelmen relevanter als bei Erwachsenenhelmen
- Etwas weniger Belüftung, da die Zwischenschicht einen Teil der Luftkanäle abdeckt
- Kein garantierter Vorteil: Im Fahrradhelm-Test der Stiftung Warentest von 2024 schnitten mehrere MIPS-Modelle beim Unfallschutz nur mit „befriedigend" ab. Die Technologie ersetzt keine gute Passform
Welche Alternativen zu MIPS gibt es?
Mehrere Hersteller haben eigene Systeme entwickelt, die denselben Zweck verfolgen, sich aber in Bauweise, Gewicht und Belüftung unterscheiden .
- KinetiCore von Lazer arbeitet mit Deformationszonen direkt im Helmkörper und spart dadurch die zusätzliche Schale
- WaveCel von Bontrager nutzt eine wabenförmige Struktur, die sich beim Aufprall verformt
- Turbine von Leatt setzt auf einzelne Dämpfungselemente im Innenraum
Woran erkenne ich einen MIPS-Helm?
Am gelben Punkt mit dem MIPS-Schriftzug außen am Helm und an der gelben Zwischenschicht im Inneren. Viele Hersteller führen die Technologie zusätzlich im Produktnamen. Es gibt inzwischen mehrere Ausbaustufen, die sich in Gewicht und Belüftung unterscheiden. Für die Schutzwirkung im Alltag ist der Unterschied zwischen ihnen deutlich kleiner als der zwischen einem passenden und einem zu großen Helm.