Die Seilzughülle ist das äußere Führungsrohr, durch das der Innenzug von Schaltung oder Bremse läuft. Sie schützt den Bowdenzug vor Schmutz, Wasser und mechanischer Beschädigung und überträgt gleichzeitig die Druckkräfte, die beim Betätigen von Hebeln entstehen. Ohne intakte Hülle lässt sich die Zugspannung nicht präzise übertragen: Eine zusammengedrückte oder gerissene Hülle macht Schalten und Bremsen unpräzise oder schwergängig.
Seilzughüllen gibt es in zwei grundlegend verschiedenen Konstruktionen, die für unterschiedliche Einsatzbereiche ausgelegt sind und nicht austauschbar sind.
Spiralhülle (Standard-Bremshülle): Der Innenaufbau besteht aus einer aufgewickelten Stahlspirale, ummantelt von Kunststoff. Diese Konstruktion ist flexibel und günstig, lässt sich aber unter Drucklast minimal komprimieren. Das ist bei Bremszügen akzeptabel, weil die Bremskraft hoch genug ist, um diese minimale Kompression zu überwinden. Für Schaltzüge ist sie ungeeignet, weil schon kleine Längenänderungen unter Zugspannung die Schaltpräzision zerstören.
Kompressionshülle (Schalthülle): Der Innenaufbau besteht aus längs verlaufenden Stahlfasern, die axiale Kompression nahezu vollständig verhindern. Diese Hüllen sind steifer und etwas schwerer als Spiralhüllen, aber für mechanische Schaltungen zwingend erforderlich. Wer aus Versehen eine Bremshülle als Schalthülle verbaut, bemerkt das an weichen, ungenauen Schaltvorgängen, die sich auch durch Nachstellen der Zugspannung nicht beheben lassen.
| Eigenschaft | Spiralhülle (Bremse) | Kompressionshülle (Schaltung) |
|---|---|---|
| Innenaufbau | Spiralgewickelter Stahl | Längs verlaufende Stahlfasern |
| Kompressionsverhalten | Leicht komprimierbar | Nahezu inkomprimierbar |
| Einsatz | Bremszug | Schaltzug |
| Austauschbarkeit | Nicht gegeneinander austauschbar | Nicht gegeneinander austauschbar |
Seilzughüllen gibt es in verschiedenen Innendurchmessern, die zur Zugstärke passen müssen:
Bei Hydraulikbremsen gibt es keine Seilzughülle im klassischen Sinn. Dort verlaufen Hydraulikleitungen aus Kunststoff oder Metall, die Bremsflüssigkeit führen und einen vollkommen anderen Aufbau haben.
Hüllen sind Verschleißteile und sollten alle zwei bis drei Jahre oder bei sichtbaren Schäden gewechselt werden. Konkrete Tauschsignale:
Risse oder Knicke im Kunststoffmantel lassen Wasser und Schmutz eindringen, was den Innenzug korrodieren lässt. Ein geknickter Abschnitt erhöht die Reibung lokal und macht den Zug an dieser Stelle schwergängig.
Schwergängige Schaltvorgänge oder ein harter Druckpunkt an der Bremse, der nach dem Ölen des Innenzugs bestehen bleibt, zeigen eine verharzte oder innen korrodierte Hülle an. In dem Fall hilft Reinigung allein nicht mehr.
Beim Tausch immer Hülle und Innenzug gemeinsam wechseln. Eine neue Hülle mit einem alten, angerauten Zug hat mehr Reibung als eine alte Hülle mit neuem Zug.
Ein häufig übersehener Punkt: Hüllenenden müssen mit einem scharfen Hüllenschneider gerade und gratfrei abgeschnitten werden. Ein ausgefranster Schnitt verengt den Innendurchmesser und erhöht die Reibung dauerhaft. Nach dem Schneiden die Öffnung mit einem Ahle oder Dorn aufweiten, damit der Innenzug reibungslos einläuft.